Veröffentlichung: Demokratie und Partizipation im 21. Jahrhundert

22 09 2016

Vor wenigen Tagen kam die Veröffentlichung der Jahrestagung 2015 des Forum Sozialethik aus der Druckerei. Wie häufig war es am Ende dann doch mühsamer als zunächst gedacht, der Veröffentlichung den letzten Schliff zu geben. Aber nun ist es vollbracht: Voila!

Zusammen mit Luisa Fischer habe ich einen einführenden Beitrag zu grundlegenden sozialethischen Perspektiven auf das Verhältnis von Demokratie und Partizipation anhand einer Relecture der vom italienischen Rechtsphilosophen Norberto Bobbio bereits in den 1980er Jahren formulierten Herausforderungen der Demokratie in der Moderne beigesteuert.

Aus Anlass des 25jährigen Bestehens des Forum Sozialethik reflektieren zwei Beiträge auch Entstehung und Entwicklung dieser Initiative. Hier habe ich zusammen mit Werner Veith einen kurzen Text zur Gestalt des Forums seit der Jahrtausendwende beigetragen.

Cover_10644-9_Forum_Sozialethik_17Fischer, Luisa / Zink, Sebastian / Wahl, Stephanie A. / Henkel, Christian (Hgg.): Demokratie und Partizipation im 21. Jahrhundert (= Forum Sozialethik 17), Münster: Aschendorff 2016.

19,80 Euro

ISBN: 978-3-402-10644-0 

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts scheint die Demokratie in eine Krise geraten zu sein. In den etablierten liberalen Demokratien des globalen Westens zeigt sich dies vor allem in der steigenden Anzahl derjenigen, die sich nicht mehr an Wahlen und traditionellen Partizipationsprozessen repräsentativer Demokratien beteiligen. Gleichzeitig sind Forderungen nach mehr Transparenz und Beteiligungsmöglichkeiten in so unterschiedlichen Kontexten wie etwa den Protesten gegen städtebauliche Großprojekte, der weltweiten Occupy-Bewegung, in national-populistisch ausgerichteten Bewegungen in ganz Europa oder im Zusammenhang mit sich ausweitenden digitalen Möglichkeiten unüberhörbar.

Der Befreiungsphilosoph Enrique Dussel hat mit seiner Aussage „Alles Politische beginnt (und endet) mit der Partizipation“ auf den zentralen Stellenwert der Partizipation für die Demokratie hingewiesen. Nimmt man dies ernst, so zwingen die gegenwärtigen Entwicklungen zu einer erneuten Auseinandersetzung um die Zukunft von Demokratien sowie um die Möglichkeiten und Bedingungen von Partizipation in der Demokratie.
Die Beiträge des vorliegenden Tagungsbandes nehmen sich dieser Herausforderung aus der Perspektive einer Christlichen Sozialethik an. Die Fülle der unterschiedlichen Herangehensweisen und Schwerpunktsetzungen macht dabei deutlich, dass es sich dabei im Rahmen einer anwendungsbezogenen politischen Ethik um ein komplexes Gefüge unterschiedlichster Herausforderungen handelt, für die keine einfachen und eindeutigen Lösungen postuliert werden können.

Die Vielfalt der im vorliegenden Band versammelten Ansätze zeigt freilich auch, wie im wissenschaftlichen Diskurs um die Beantwortung drängender Fragen der Gegenwart gerungen wird. Das Forum Sozialethik gewährleistet seit nunmehr 25 Jahren einen solchen Rahmen insbesondere für Nachwuchswissenschaftler_Innen der Christlichen Sozialethik und benachbarter Disziplinen. Aus Anlass dieses Jubiläums wurden in den Tagungsband auch zwei Beiträge aufgenommen, die Gründung und geschichtliche Entwicklung des Forums reflektieren und als gelungenes Partizipationsprojekt im Rahmen der Wissenschaftscommunity ausweisen.

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„Laudato si’“ – die neue Sozial- und Umweltenzyklika von Papst Franziskus

30 07 2015

laudato-si-it.enciclica„Laudato si. Über die Sorge für das gemeinsame Haus“, so ist die vor wenigen Wochen veröffentlichte Enzyklika von Papst Franziskus überschrieben. Und diese Überschrift ist Programm. Mit dem Titel „Laudato si“ – „Gelobt seist du“ nimmt der Papst Bezug auf den heiligen Franz von Assisi, der mit diesen Worten seinen berühmten „Sonnengesang“ beginnen ließ. Die Rede vom „gemeinsamen Haus“ im Untertitel spielt zum einen mit der griechischen Wurzel moderner Fremdwörter wie Ökologie und Ökonomie (oikos = Haus, Haushalt) und meint zum anderen im übertragenen Sinn den „Haushalt Gottes“, das „Lebenshaus“ Erde, in dem wir alle gemeinsam zusammen mit allen Geschöpfen „wohnen“; in der biblischen Schöpfungserzählung werden wir als Ebenbilder Gottes auf Erden zum Erhalt dieses Lebenshauses aufgerufen (vgl. Gen 1,26-29). Dem Papst geht es also in diesem Lehrschreiben um eine ausführliche Betrachtung des Verhältnisses von Mensch und Natur aus christlicher Perspektive. Dabei ist „Laudato si“ keineswegs eine reine Umwelt- oder gar Klimaenzyklika – auch wenn sie in den Medien immer wieder so tituliert wird. Vehement fordert der Papst das Denken im Rahmen einer „ganzheitlichen Ökologie“, die den oft engen Zusammenhang zwischen einem fragwürdigen Umgang mit der Schöpfung und sozialen Problemen innerhalb menschlicher Gesellschaften betont. Er stellt sich damit explizit in die Tradition des Konzepts einer nachhaltigen Entwicklung der ganzen Menschheit, das erstmals im so genannten Brundlandt-Bericht („Our common future“) entwickelt wurde. Zugleich greift Franziskus auf seine lateinamerikanischen Wurzeln zurück, indem er befreiungstheologische Impulse wie die Betonung der biblischen Forderung nach einem befreiten Leben für alle aufnimmt. Davon ausgehend tritt er insbesondere für eine umfassende „Option für die Armen“ ein – denn „unter den am meisten verwahrlosten und misshandelten Armen“ befindet sich „diese unsere unterdrückte und verwüstete Erde“ (LS 2). Auf dieser Grundlage rechnet der Papst mit der modernen Kultur ab, ihrem „Fortschrittsmythos“, ihrem Glauben an grenzenloses Wachstum und die Selbstregulierungskräfte von Marktmechanismen. Er ruft auf zu einer „mutigen kulturellen Revolution“ (LS 114), zum Widerstand gegen den „Konsumismus“ (LS 203) und gegen „soziale Ungerechtigkeit“ (LS 51, 158). Für dieses Ziel wendet sich Franziskus an jeden Menschen, „der auf diesem Planeten wohnt“ und ruft dazu auf „die gesamte Menschheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen“ (LS 13).

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Buchhinweis – Walter Wink: Verwandlung der Mächte

5 03 2015

Wink VerwandlungWink, Walter: Verwandlung der Mächte. Eine Theologie der Gewaltfreiheit, hg. von Georg Steins und Thomas Nauerth, Regensburg 2014 (original: The Powers That Be. Theology for a New Millenium, New York 1998).

Die Ethik des Neuen Testamentes wird zumeist als eine in erster Linie individuelle Ethik verstanden. Als eine Ethik also, die vor allem die Handlungen einzelner Menschen in den Blick nimmt, die Einrichtung der Gesellschaft als Ganze aber außen vorlässt. Nun hat Jesus seine Botschaft nach dem Zeugnis der Evangelien tatsächlich vor allem im Umgang mit einzelnen Menschen konkretisiert. Allerdings lässt sich eine solche individuelle Ebene schon rein praktisch selten von der strukturellen Ebene der Gesellschaft trennen. Der Botschaft Jesu eine solche individualethische Verkürzung zu unterstellen, würde darüber hinaus das gesamte Alte Testament ausklammern, vor dessen Hintergrund das Neue Testament zu lesen und zu interpretieren ist. Denn dort erweist sich in vielen zentralen Texten das Verhältnis zwischen Volk Israel und Gott als abhängig von der Rechtsordnung Israels und deren praktischer Umsetzung. Die zentrale Frage des Alten Testaments lautet mit anderen Worten also: Wie gottgefällig sind der Aufbau und das Funktionieren der Gesellschaft?

Dem US-amerikanischen Theologen Walter Wink gelingt es in seinem vor fünfzehn Jahren veröffentlichten Werk „The Powers That Be. Theology for a New Millennium“ diese gesellschaftsethische Perspektive der Botschaft Jesu durch eine spannende und innovative Lektüre der biblischen Texte zu erschließen. Nun ist das Buch endlich auch in deutscher Sprache erschienen, unter dem Titel: Verwandlung der Mächte. Eine Theologie der Gewaltfreiheit, hg. von Thomas Nauerth und Georg Steins, Regensburg 2014. Den Rest des Beitrags lesen »





CfP Forum Sozialethik 2015: Demokratie und Partizipation im 21. Jahrhundert

24 11 2014

Herzliche Einladung, sich an diesem Call beteiligen. Es geht um eine Tagung im Herbst 2015, bei der ich Mitveranstalter bin.

„Alles Politische beginnt (und endet) mit der Partizipation“, so der Befreiungsphilosoph Enrique Dussel. Ob in Lateinamerika, Europa, Nordafrika oder Asien – vielerorts fordern Menschen demokratische Partizipation ein, unabhängig davon, ob sie bereits in einer Demokratie leben oder nicht. Wie ist es also um das Verhältnis von Demokratie und Partizipation im 21. Jahrhundert bestellt? Neben dem Postulat, dass es modernen Demokratien nicht mehr gelänge, die Sinnfrage zu beantworten, stellt eine säkulare und plurale Gesellschaft gerade an die Repräsentationsfunktion der Demokratie ihre Anfrage: Kann es einer (repräsentativen) Demokratie überhaupt gelingen, die Vielfalt der in der Gesellschaft vorhandenen Interessen und Meinungen widerzuspiegeln? Immer weniger Menschen scheint es etwa möglich, sich mit Parteien und deren Programmen klar zu identifizieren. Gleichzeit sinkt seit der Jahrtausendwende kontinuierlich die Wahlbeteiligung – einhergehend mit einer Zunahme der sozialen Exklusion –, was in öffentlichen Debatten meist versucht wird mit einer „Politikverdrossenheit“ zu erklären.

Die Frage nach der Zukunft der Demokratie wird also auch zu einer Frage der Partizipation in der Demokratie sowie damit einhergehenden Inklusions-, beziehungsweise Exklusionsmechanismen. Wer partizipiert heute wie an demokratischen Prozessen? An welchen Kriterien bemisst sich eine angemessene Partizipation(sermöglichung)? Wer wird von wem an den entsprechenden Prozessen wodurch ausgeschlossen? Welche dahinterliegenden Machtstrukturen sind identifizierbar? In diesem Kontext gilt es beispielsweise das Verhältnis von Demokratie, Politik und Wirtschaft kritisch zu hinterfragen, Lobbyismus und die Rolle der Medien kontrovers zu diskutieren.

Den Rahmen dieser Diskurse bildet eine zunehmend globalisierte Welt, in der nicht zuletzt die Macht der Banken, globaler Unternehmen und Technokraten die Spielräume demokratischer Partizipation einzuschränken scheint. Auch komplexe Entscheidungsprozesse supranationaler Regime und internationaler Organisationen werden zu einer Anfrage an die Demokratie.

Das Forum Sozialethik 2015 (16.-18. September 2015) will den Herausforderungen für die Christliche Sozialethik, die in diesem Entwicklungen liegen nachspüren. Sie ist in diesen Diskursen herausgefordert, ihren genuinen Beitrag zu formulieren. Welche theologischen und ethischen Grundlagen sind für ihr Urteil entscheidend?

Das Vorbereitungsteam (Luisa Fischer, Christian Henkel, Stefanie A. Wahl, Sebastian Zink) lädt Interessierte herzlich ein, sich mit einem Beitrag an der Tagung zu beteiligen und etwa anhand der eigenen Forschungsperspektive Fragen zu Demokratie und Partizipation im 21. Jahrhundert aus Sicht einer Christlichen Sozialethik zu diskutieren. Angesprochen sind NachwuchswissenschaftlerInnen (Promotion, Habilitation) sowie fortgeschrittene Studierende des Faches Sozialethik im deutschsprachigen Raum. VertreterInnen aus benachbarten Disziplinen (Philosophie, Soziologie und andere Sozialwissenschaften, Politikwissenschaften usw.) sind ebenso herzlich willkommen. Das Forum pflegt einen Werkstattcharakter: das heißt, dass besonderer Wert auf den freien wissenschaftlichen Austausch gelegt wird. Dafür dienen die Beiträge als Grundlage.

Nähere Informationen sind dem Call for Papers zu entnehmen. Der Call ist geöffnet bis 18. April 2015.

Alle weiteren Informationen auf der Tagungswebseite.





Jakob, der Gottesstreiter

16 10 2014

Im Folgenden ein kleiner Impuls zur Erzählung vom Kampf Jakobs mit Gott, den ich für ein Projekt der KLJB Bayern geschrieben habe: .

„Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel [Gottesstreiter], denn mit Gott und Menschen hast du gestritten und gewonnen.“ (Gen 32,29)

„Gottesstreiter“ – ein Name wie aus einem Fantasyroman! Doch keineswegs geht es in der entsprechenden biblischen Geschichte um einen Helden, der Gott herausfordert oder Ähnliches. Dieser Satz wird vielmehr gesprochen als ein Segen, als eine Art Glückswunsch für die Zukunft. Und das, nachdem Jakob, einer der Urväter Israels, an einer Flussfurt mit einem Mann gerungen hat – in Wirklichkeit, im Traum? – der nach der Logik der Geschichte eigentlich nur Gott selbst sein kann.

Jakob ringt mit Gott, genau wie es später das Volk Israel immer wieder tut. Denn leicht macht es einem dieser Gott mit seinen Forderungen nach Gerechtigkeit und Freiheit nicht. Und doch erscheint am Ende das Ringen mit Gott als etwas Positives und als etwas langfristig Prägendes: Der Name Jakobs aus seinem Kampf mit Gott wird zum Namen für das Volk, das aus seinen Nachfahren entsteht. Der Schlag, den Gott ihm während des Kampfes an der Hüfte versetzt, schmerzt Jakob ein Leben lang. Dieser Gott Jakobs will nicht, dass man ihm blind gehorcht. Er will, dass man mit ihm ringt und sich von ihm herausgefordert fühlt. Er will, dass man sich zu einem immer tieferen Verständnis seiner Botschaft „durchringt“, damit sie Spuren hinterlässt und irgendwann in Freiheit angenommen werden kann.





Vati-Mails nun auch als Vati-Cards

2 04 2014

Bereits seit Anfang 2014 sind die Vati-Mails nun auch leicht überarbeitet in gedruckter Form als „Vati-Cards“ im Landjugendshop bestellbar.

36 Impulskarten bereiten anhand kurioser Bilder, beeindruckender Persönlichkeiten oder bewegender Zitate wichtige Inhalte und Ereignisse des Konzils für die Gruppenarbeit auf und geben Impulse zu seiner Umsetzung.

Für einen ersten Eindruck stehen die versendeten Vati-Mails nach wie vor auf dieser Seite zum Download zur Verfügung.





Vati-Mail-Aktion 2013

20 04 2013

50 Jahre nach dem Ende des II. Vatikanischen Konzils hat aller Orten eine intensive Rückbesinnung auf dieses bedeutendste kirchliche Ereignis des 20. Jahrhunderts eingesetzt. Veröffentlichungen, Tagungen, Vorträge, Workshops usw. lassen uns die Wucht des Ereignisses nachempfinden, bringen uns die Texte des Konzils näher und lassen erkennen, wo wir stehen bei der Umsetzung seiner Beschlüsse.

Im AK Glaube und Leben der KLJB Bayern haben wir – so denke ich – eine interessante Methode entwickelt, um zur eigenen Auseinandersetzung mit diesem Ereignis anzuregen:

In den „Vati-Mails“ stellt die KLJB Bayern vom 25. Januar bis zum 8. Dezember 2013 in 38 E-Mails die wichtigsten Personen, Zitate und Kuriositäten des Zweiten Vatikanischen Konzils vor und gibt Impulse, wie die Beschlüsse dieses Ereignisses heute umgesetzt werden können.

Für eine Anmeldung reicht eine Mail an spiri-mail[at]kljb-bayern.de. Dann werden bis 8. Dezember 2013 in unregelmäßigen Abständen die Vati-Mails zugesendet. In insgesamt 38 Mails werden wichtige Personen, Zitate und Kuriositäten des Zweiten Vatikanischen Konzils vorgestellt, immer verbunden mit Impulsen für das persönliche Vertiefen und Nachdenken.

Wer eine Mail verpasst hat oder erst später auf die Aktion aufmerksam geworden ist, findet alle bereits versendenten Mails auf dieser Seite als Download zur Verfügung gestellt.