Spiele-TÜV in Nürnberg

Vom 5. bis 10. Februar war in Nürnberg mal wieder Spielwarenmesse. Das klingt nach viel Spaß, Action und Spiellust. Wenn man allerdings mit diesen Erwartungen nach Nürnberg kommt, dann wird man wohl enttäuscht: Man kann sich zwar ausführlich darüber informieren, was es denn so alles an Neuheiten gibt – selber spielen und ausprobieren geht aber in aller Regel nicht.

Zumindest für die Fans von Brett- und Kartenspielen gibt es dafür aber eine ganz hervorragende Alternative: Der Spiele-TÜV im Haus Eckstein, zwischen Hauptmarkt und Burg gelegen. Gut 500 alte und neue Spiele wurden von den Veranstaltern zusammengetragen. Und diese konnten gegen den doch ziemlich moderaten Eintrittspreis von 2 Euro nach Herzenslust und solange man wollte ausprobiert werden. Dieses Angebot findet nun mittlerweile fast traditionell parallel zur Spielwarenmesse statt und erfreut sich zunehmender Beliebtheit – einer der Gründe, warum die ganze Veranstaltung vor wenigen Jahren aus dem CPH (Caritas-Pirckheimer-Haus) ins Haus Eckstein wechseln musste.

Gestern haben nun auch Melli und ich diesen Event das erste Mal besucht. Allerdings hätten wir wohl kaum etwas von der ganzen Sache erfahren – als Neu-Nürnberger erschließen wir uns erst so langsam die notwendigen und sinnvollen Informationsquellen – wenn ich nicht eingeladen worden wäre, das „K gewinnt“ Spiel dort vorzustellen. Neben dem allgemeinen bunten Spieleausprobieren gibt es nämlich auch immer wieder thematische Workshops. Und in einem davon ging es um religiöse Spiele – da passte „K gewinnt“ natürlich ganz hervorragend hinein. Der Workshop selbst fand zwar in eher kleiner aber feiner Runde statt, da die religiösen Spiele aber in diesem Jahr auch im großen Spieleraum gesondert präsentiert wurden, fanden sich wohl über das ganze Wochenende hindurch immer wieder Interessierte.

Zugegebenermaßen beließen wir es, nachdem wir schon mal da waren, nicht beim religiösen Bereich, sondern probierten neben einigen altbekannten Spielen auch ein paar Neuigkeiten aus. Schnell waren gut und gerne vier Stunden vorbei und unser eindeutiges Fazit lautete: Nächstes Jahr sind wir wieder da!

Jedem Spielefan ist der Spiele-TÜV wirklich nur zu empfehlen.

Hier noch ein paar Kommentare zu einer kleinen Auswahl der von uns (an-)gespielten Spiele:

  • Peregrino-Spiel: Es handelt sich um ein Brettspiel, das den Jakobs-Weg in Spanien als zugrundeliegende „Story“ benutzt. Es geht darum, diesen möglichst schnell zu durchqueren und dabei eine bestimmte Anzahl der berühmten Stempel in den Pilgerunterkünften zu sammeln. Schwierigkeiten türmen sich dabei auf in Form von Wetterumschwünge, Wissens- und Ereigniskarten. Das Schöne an dem Spiel ist, dass es mit viel Liebe konzipiert und hergestellt wurde. Man merkt ihm an jeder Stelle an, dass es sich nicht um ein rein kommerzielles Produkt handelt, das auf einen aktuellen Hype aufspringt, sondern von einer Gruppe entworfen wurde, die den Jakobsweg selber gegangen ist – besonders toll sind die offensichtlich selbst geschossenen Bilder auf Spielplan und Ereigniskarten. Die Wissensfragen allerdings haben doch ein ziemlich hohes Niveau. Manches kann mal wohl schlicht und ergreifend nur wissen, wenn man den ganzen Weg selbst schon einmal gelaufen ist. Die Altersangabe „ab 10 Jahren“ ist daher sicher eine völlige Fehleinschätzung. Außerdem ist der Weg auf dem Spielplan schon sehr lange, so dass zum Ende hin doch eine gewisse Langeweile aufkommt. Man sehnt das Ende schier herbei – aber das ist auf dem echten Jakobsweg ja vielleicht auch so.
  • Monuments: Eine Neuheit des letzten Jahres, bei der es darum geht, Bauwerke der Antike zu erbauen und durch die Nennung bei möglichst vielen Geschichtsschreibern berühmt zu machen. Soweit eine spannende und interessante Idee. Und auch der Spielplan und die Spielkarten sind sehr schön illustriert. Die Probleme fangen allerdings dann an, wenn man „Monuments“ tatsächlich spielen will. Den ersten Schock bekommt man schon einmal bei der bestimmt zehnseitigen, eng bedruckten Spielanleitung – aber wenn das Spiel spannend ist, nimmt man so etwas schon mal in Kauf. Wenn man dann aber nach über einer halben Stunde studieren die Spielanleitung beiseite legt, weil man sie trotz intensiven Nachdenkens und gemeinsam Beratens nicht versteht, dann stimmt irgendetwas nicht. Diese Anleitung war nicht nur lang, sondern schlicht und ergreifend unverständlich. Was nützt die beste Spielidee, wenn man sie nicht halbwegs verständlich rüberbringen kann? Insgesamt der Negativpunkt des Abends.
  • Das Labyrinth-Duell: Ähnlich wie beim verrückten Labyrinth und beim Labyrinth der Meister geht es darum, durch überlegtes Verschieben unkoordiniert ausgelegter Wegstücke, die eigene Spielfigur zu bestimmten Symbolen laufen zu lassen. Der Unterschied besteht darin, dass man beim „Labyrinth-Duell“ nicht auf einem Spielplan gegeneinander spielt, sondern je einen eigenen Spielplan vor sich liegen hat und es darum geht, der eigenen Spielfigur jeweils als schnellster den Weg zu einem bestimmten Symbol zu bahnen. Ein schnelles Spiel, das räumliches Vorstellungsvermögen und etwas Planungsvermögen erfordert, aber schlicht und ergreifend viel Spaß macht. Dass man es eigentlich nur zu zweit spielen kann, ist Vor- und Nachteil zugleich.

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