Archiv für Oktober 2008

Rechter Rang und Rechter Platz

Vor mittlerweile drei Jahren habe ich in meinem Studienschwerpunkt „Mittelalterliche Geschichte“ eine Magisterarbeit mit dem Titel „Rechter Rang und Rechter Platz. Das Verhältnis von Rangordnung und Sitzordnung im Mittelalter“ verfasst.

Ich bin dabei von der in meinem Studium gewonnenen Beobachtung ausgegangen, dass neuere historische Arbeiten unter dem zunehmenden Einfluss kulturwissenschaftlicher Forschungen die außerordentliche Bedeutung des Rangs und der Rangwahrung für das Verständnis und das Funktionieren vormoderner Gesellschaften betonen. Die Positionierung im Raum wird dabei sowohl als Spiegel wie auch als Konstituens des Ordnungsgefüges begriffen, wobei es derzeit noch als offen gelten muss, ob überzeitliche anthropologische Gegebenheiten oder kulturspezifische Ausdrucksformen handlungsleitend waren.

Exemplarisch habe ich in meiner Magisterarbeit die außerordentliche Bedeutung der Platzierung am bevorzugten rechten Ort in der hochmittelalterlichen Gesellschaft (Schwerpunkt im 11.-14. Jahrhundert) untersucht. Ausgehend von zum Teil blutigen Rangstreitigkeiten um die Behauptung eines bevorzugten Sitzplatzes, habe ich versucht die Funktion der Selbstinszenierung deutlich zu machen. Dabei konnte ich in Ergänzung älterer Forschungen zu den oral strukturierten Gesellschaften des Mittelalters aufzeigen, dass derartige Rangstreitigkeiten nicht nur bei illiteraten, intellektuell eher einfach strukturierten Fürsten, sondern vor allem und gerade in gebildeten, geistlich-kirchlichen Zusammenhängen begegnen.

Als Fallstudien habe ich – in chronologischer Reihung – schwerpunktmäßig die Gesandtschaft des Bischofs Liutprand von Cremona an den byzantischen Hof im Jahr 968, die Frankfurter Synode von 1027, den Goslarer Rangstreit von 1062/63, das Mainzer Hoffest Friedrichs I. Barbarossa (1184), das Krönungsmahl Rudolfs von Habsburg im Jahr 1273 und die Bestimmungen der Goldener Bulle (1356) eingehender untersucht.

Die Einleitung der Studie kann hier als pdf heruntergeladen werden. Wer Interesse an der gesamten Arbeit im pdf-Format hat, möge sich bitte per E-Mail (siehe Bio) an mich wenden.

Personenzentrierte Beratung – Aufbaukurs

Vor wenigen Tagen habe ich nun meinen ersten Aufbaukurs in personenzentrierter Beratung nach Carl Rogers hinter mich gebracht (zum Grundkurs hier und bei Melli). Es ging darum, die von Rogers postulierten Grundhaltungen vertieft einzuüben, Probleme, die im letzten halben Jahr in der Praxis aufgetreten sind zu bearbeiten, das eigene Wahrnehmen und Wiedergeben insbesondere in Lebensfragen und Lebenskrisen zu verfeinern und sich ein erweitertes Repertoire an differenzierten Interventionsmöglichkeiten im Gesprächsverlauf anzueignen. Den theoretischen Unterbau hierfür lieferte Grewe, der eine ganze Reihe verschiedener Beratungskonzepte untersuchte und dabei vier Aspekte herausschälte, die überall als positiv angesehen werden: Es ist immer wichtig die eigenen (positiven) Ressourcen des Gesprächspartners zu aktivieren, implizite und explizite Einstellungen zu klären, dass Problem/die Probleme zu aktualisieren (Wie geht es dir jetzt damit?) und bei Bedarf an konkreten Handlungsschritten zu arbeiten. Dabei ist klar, dass nicht all dies in jedem Gespräch geschehen kann. Es handelt sich vielmehr um Zusatzoptionen, deren man sich bewusst sein sollte und die dann bei Bedarf und Gelegenheit zugeschaltet werden können.

Waren nach dem Grundkurs doch noch einige Unsicherheiten bei mir vorhanden, die auch durch den Praxistest nur bedingt ausgeräumt werden konnten, fühle ich mich nun nach diesem Aufbaukurs wesentlich sicherer und bin damit glaube ich zunehmend in dieser Form der beratenden Gesprächsführung zuhause. Allerdings sind mir auch die Grenzen dieses Beratungsansatzes deutlich geworden. So erscheint mir z.B. insbesondere im Kontext eines berufs- oder biographiebezogenen Coachings die Einbeziehung von systemischen Elementen als eine notwendige und sinnvolle Ergänzung.

Verschachtelung der Welt

Jetzt geht es also los: Endlich ziehen Melli und ich nun mit Sack und Pack nach Nürnberg. Ich hoffe einfach mal, dass alles so klappt wie wir uns das vorstellen, denn das Umziehen von drei Wohnungen/Zimmern (Melli daheim, ich daheim, Wir in Bamberg) in eine Wohnung hat sich mittlerweile als logistisches Problem ernstzunehmender Größe entpuppt. Wer von unseren Helfern wann und wie sinnvoll eingesetzt werden kann und sollte, wie Streichen, neuer Boden verlegen, Möbel aufbauen usw. am effizientesten ineinandergreifen, welche Strecken wir mit welchem Anhänger bzw. Kleintransporter wann und in welcher Reihenfolge abfahren – all das will genau überlegt sein. Und so ganz nebenbei müssen Melli und ich ja auch noch hin und wieder arbeiten (dass ich vor drei Monaten für zwei Tage vor dem Umzug die Leitung eines Workshops zugesagt habe, zeigt wohl v.a., dass ich noch nie so richtig umgezogen bin und die ganze Sache total unterschätzt habe).

Trotzdem bin ich super froh, wenn wir die ganze Sache einmal hinter uns gebracht haben, leben wir doch mittlerweile zunehmend in und aus Schachteln. Es ist schon ein ganz komisches Gefühl, wenn so nach und nach die eigene kleine Welt in Schachteln verschwindet, viele selbstverständliche Alltagsgegenstände dem Zugriff entzogen werden und die alten, scheinbar vertrauten Zimmer, mehr und mehr ihre persönliche Note verlieren.

Allerdings bleibt der Trost, dass sich diese Schachteln in der neuen Wohnung auch wieder nach und nach entpacken, wir damit in gleichem Maße unsere neuen Räume in Besitz nehmen und so die momentan noch leeren Zimmer in unser Heim verwandeln werden.


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Dies ist die Homepage von Sebastian Zink. Sie finden hier mein Weblog sowie weitere Informationen zu meinen wissenschaftlichen, beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten.

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