Heute sind mir in meiner täglichen Pressemappe gleich zwei vatikanische Verlautbarungen aufgefallen. Die erste ist aus einer Videobotschaft Papst Benedikts XVI. an den aktuell stattfindenden Eucharistischen Kongress in Kanada:
„Die Teilnahme an der Eucharistie entfernt uns also nicht von unseren Zeitgenossen, im Gegenteil; weil sie der Ausdruck der Liebe Gottes schlechthin ist, erinnert sie uns daran, dass wir uns gemeinsam mit unseren Brüdern den gegenwärtigen Herausforderungen stellen und aus unserem Planeten eine Ort machen sollen, an dem man gut leben kann. Daher muss man ununterbrochen dafür kämpfen, dass jede Person von seiner Empfängnis bis zum natürlichen Tod respektiert wird, das unsere reichen Gesellschaften die armen aufnehmen und ihnen ihre Würde wieder geben, dass jede Person sich und ihre Familie ernähren kann, dass der Friede und die Gerechtigkeit auf allen Kontinenten erstrahlt.“ (Benedikt XVI. 23. Juni 2008 )
Die Verdeutlichung dieses Zusammenhangs zwischen der Feier der Eucharistie und dem christlichen Handeln in der Welt, zwischen Liturgie und Diakonie kann gar nicht oft und gar nicht deutlich genug gesagt werden. Denn ohne Rückwirkungen auf das Leben des einzelnen Christen, ohne das wirksam werden der in der Eucharistie deutlich werdenden Liebe Gottes zu allen Menschen in unserem konkreten Leben und in unserem gesellschaftlichen Engagement bleibt die unbedingte Liebeszusage Gottes gegenüber uns Menschen nur unvollständig beantwortet. Und ohne den Rückbezug des diakonischen Handelns auf unser in Beziehung treten mit Gott in der Eucharistie, auf die Erinnerung an die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen, die in Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi ihren Höhepunkt fand, fehlt unserem Engagement die Mitte, der Grund und das Ziel.
Wie dieses konkrete christliche Handeln auch in Situationen aussehen könnte, in denen man in aller Regel sämtliche guten Vorsätze und Einstellungen vergisst – nämlich im Urlaub – darauf versucht eine vatikanische Verlautbarung zum Welttag des Tourismus hinzuweisen (ja, so etwas gibt es tatsächlich – aber für was gibt es eigentlich noch keinen Tag?):
„Man kann also noch wählen zwischen den beiden vor uns liegenden Wegen, ein Tourist für oder gegen die Erde zu sein. Man kann sich beispielsweise dafür entscheiden, zu Fuß zu gehen, Hotels und Aufenthaltsorte zu wählen, die in nahem Kontakt mit der Natur sind, oder weniger Gepäck mitzuführen, damit die Transportmittel weniger Abgase ausstoßen. Man kann als Tourist den Abfall getrennt entsorgen, ökologischere Mahlzeiten einnehmen, Bäume pflanzen, um die verunreinigenden Einflüsse zu neutralisieren, die örtlichen Handwerksprodukte anderen gegenüber bevorzugen, die aus aufwendigen und schädlichen Materialien gemacht sind. Man kann wieder verwendbares oder biologisch abbaubares Material benutzen, die örtliche Gesetzgebung respektieren und die Kultur des Gebietes, in das wir uns begeben, richtig bewerten.“ (aus der Vatikanbotschaft zum Welttag des Touristen, der am 27. September gefeiert wird)
Zugegebenermaßen wuchert dieser Hinweis nicht an allen Stellen mit übermäßigem Sachverstand. Wie etwa hat man sich die Szenerie vorzustellen, wenn sämtliche Romtouristen nun auf dem Petersplatz anfangen Bäume zu pflanzen? Auch der mit dem obigen Text verbundene Hinweis, beim Vatikan handle es sich um den ersten CO2-freien Staat der Erde, erscheint ebenso unwahrscheinlich wie wenig wünschenswert, bedenkt man die eminente Bedeutung von Treibhausgasen wie CO2 für die Bewohnbarkeit der Erde (gemeint war wohl eher eine CO2-Neutralität). Und auch auf die Erklärung, was denn nun eine „ökologische Mahlzeit“ genau sein soll, darf man gespannt sein.
Nichts desto trotz ist dieser Umweltappell ein weiteres und deutliches Symbol für ein gestiegenes Bewusstsein an der römischen Kurie für die Bedrohung der Menschen durch den Klimawandel und sehr zu begrüßen. Zu hoffen bleibt, dass mit zunehmender Sensibilität für die Thematik auch die inhaltliche Kenntnis wächst.
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