Archiv für November 2007

Werteerziehung in der Schule

Am vergangenen Wochenende war ich in der Evangelische Akademie in Tutzing auf einer Tagung unter dem Titel „Werteerziehung in der Schule“. Die Akademie liegt direkt am Ufer des schönen Starnberger Sees (dass es dort schön ist, weiß ich allerdings nur vom Hörensagen, gesehen habe ich nämlich ob Dauerregenwetter nicht allzuviel davon).

Die Vorträge des ersten Abends standen unter der Leitfrage, was denn nun eigentlich die Grundlage für eine Moralerziehung bei Kindern sei. Prof. Dr. Gertrud Nunner-Winkler, Soziologin aus München, stellte in ihrem in Höchstgeschwindigkeit gehaltenen Vortrag („Ich hab ja nur so wenig Redezeit“) unter dem Titel „Wie kommt die Moral ins Kind“ Ergebnisse verschiedener empirischer Studien zur Moralentwicklung von Kindern und Jugendlichen dar. Grundlegend konnte dabei festgestellt werden, dass das moralische Wissen der Kinder relativ früh relativ groß ist, wobei die Regeln des Zusammenlebens aus beobachtetem Verhalten (insbesondere von nahestehenden Erwachsenen) erschlossen werden. Als Lernmechanismen wurden die explizite Unterweisung, Aushandlungsprozesse sowie Sprachspiele (Kinder verbinden mit einem Wort, z.B. „Mord“, eine Wertung) nachgewiesen. Bestimmte Kontexte sind dabei mit ihren Auswirkungen auf die Entwicklung von moralischen Vorstellungen nach Nunner-Winkler systematisch zu unterscheiden:

  • Familie – Insbesondere frühe Extremerfahrungen wie Gewalt oder „moralisches Heroentum“ wirken prägend, während im „Normalbereich“ der Einfluss der Familie nicht überschätzt werden dürfe, da bis zu zwei Drittel der Jugendlichen bis ins Alter von 22 starke Veränderungen in ihrem vom reinen Wissen über Normen und Regeln zu unterscheidenden moralischen Wollen durchmachen
  • Freunde – Einfluss durch sich vom familiären Kontext unterscheidende Subkulturen, aber auch Steigerung der Rollenübernahmefähigkeit und Förderung einer konsensorientierten Konfliktbearbeitung
  • Schulklima – Ein „pazifistisches Schulklima“ erkläre (Nicht-)Gewalthandeln der Schüler besser als die Familienerfahrungen, da auch Kinder mit schlechten Familienerfahrungen in einem entsprechenden Schulklima weniger Gewalttätigkeit zeigen; wichtig sei dabei insbesondere ein normativer Konsens an der Schule
  • gesellschaftlicher Kontext – Dies lässt sich insbesondere im Bereich der Geschlechterrollenzuschreibungen erkennen, in deren Rahmen Frauen in den europäischen Gesellschaften viele moralfördernde Zuschreibungen erfahren, Männer dagegen weniger – diese Zuschreibungen werden dann handlungsleitend in dem Maß, wie die jeweiligen Männer und Frauen sich mit ihren Geschlechterrollen identifizieren und bereit sind den gesellschaftlichen Rollenvorstellungen zu entsprechen

Wirklich Neues brachte dieser Vortrag also eigentlich nicht, jedoch legte er eine gute Grundlage für die weitere Behandlung der Thematik Diese wurde allerdings aufgrund des hektischen Vortragsstils wohl nicht jedem Konferenzteilnehmer in gleicher Weise zugänglich.

weiterlesen ‘Werteerziehung in der Schule’

Das Ende des Jubiläumsjahres

Heute endete offiziell das Jubiläumsjahr der Erzdiözese Bamberg – am Allerheiligentag des Jahres 1007 wurde nämlich auf Drängen Kaiser Heinrich II. die Gründung der Diözese Bamberg in Frankfurt beschlossen. Das hatte die Erzdiözese zum Anlass genommen, die letzten zwölf Monate mit einem umfangreichen Programm zu feiern. Man mag über Erfolg und Sinnhaftigkeit der unterschiedlichen Programmpunkte unterschiedlicher Meinung sein können, wird sich fragen können, ob denn so viele verschiedene Veranstaltungen über ein ganzes Jahr verteilt hätten sein müssen (nachdem man zuvor mehrere Jahre über finanzielle Einschnitte diskutiert hat), ob es einer etwas lumpigen Nachahmung des Sternenmantels Heinrichs II. bedurft hätte, um das Bistumsjubiläum in die Pfarreien zu tragen und ob ein guter Teil der Menschen „an der Basis“ es überhaupt haben wollte, ob die Besucherzahlen für die Bistumstage wirklich stimmten oder ob da nicht eigentlich nur die Besucher der (kostenlosen!) Konzerte an den Abenden gezählt wurden, ob die gerade im Jubeljahr beschlossene Schließung der katholischen Fakultät in Bamberg nicht doch arg selbstverschuldet war usw.

Eines aber muss, zugegeben zu einer gewissen Verwunderung meinerseits, anerkannt werden: Zumindest im innerkirchlichen Raum und insbesondere auf diözesaner Ebene hat das Jubiläumsjahr sicher dazu beigetragen, die Stimmung – vor einem Jahr noch nahe des Nullpunktes – etwas zu heben. Gut und voller Aufbruchsstimmung ist sie immer noch nicht, aber zumindest sind die permanent durchscheinenden negativen Untertöne etwas verschwunden (ich meine damit übrigens nicht berechtigte Kritik, sondern eher schulterzuckendes und zielloses Gejammer über das Leid der bösen postmodernen Welt). Ein hoffnungsvolles Zeichen, das hoffentlich weitertransportiert werden kann.

Heute war also der Abschlussakt. Alles in allem durchaus gut gestaltet und einigermaßen kurzweilig. Grußworte, die zeitlich nicht ausuferten, ein Festvortrag vom Präsidenten des Europäischen Parlaments, der die christlichen Grundlagen Europas betonte und deutlich machte, dass der Einsatz für die universale Geltung der Menschenwürde (was darunter konkret zu verstehen ist, müsste man natürlich immer noch mal genauer klären), für Freiheit und Solidarität in Europa und weltweit die entscheidenden Grundausrichtungen der Europäischen Union darstellen, und viele Musikbeiträge der beiden kircheneigenen Maria-Ward-Schulen in Bamberg und Nürnberg. Dazu viele Möglichkeiten zum Miteinander-ins-Gespräch kommen (naja, vielleicht für manche auch eher ein „Sehen und Gesehenwerden“ ;-) ). Zwei Kritikpunkte seien aber dann doch noch angemerkt:

  1. Ich finde es schade, dass Erzbischof Schick sich zwar bei allen möglichen Menschen bedankt (er hat sogar an die Ehrenamtlichen gedacht), nicht aber bei seinen Mitarbeitern im Ordinariat, die einen Großteil der Arbeit in diesem Jahr geleistet haben. Auch wenn diese natürlich Geld dafür bekommen, wäre es doch eine schöne Geste der Anerkennung gewesen.
  2. Ich halte durchkomponierte und vorgesungene/-gespielte Messen in Gottesdiensten einfach für fehl am Platz. Das Gloria (der Lobgesang auf Gott) gehört einfach vom Volk gesungen und noch viel mehr gilt dies z.B. für das Credo (Glaubensbekenntnis). Ein Bischof, der schon mal ein gesungenes „Vater unser“ sprechenderweise wiederholen lässt, weil nur die Band gesungen hat (nicht zu Unrecht – da sollte sich wirklich jeweils die gesamte Gemeinde beteiligen können), kann doch ein lateinisch vorgesungenes Glaubensbekenntnis, das man ob der klassischen Ausbildung der Sänger schon akkustisch kaum versteht, eigentlich nicht gut finden. Ähnliches gilt auch für das Sanctus, dem einzigen Bestandteil des Hochgebets, an dem sich das „Volk“ aktiv beteiligt. Ich habe früher im Kirchenchor ja auch solche Messen in Gottesdiensten mitgesungen und mich danach gewundert, wenn sich manche Leute darüber aufgeregt haben, dass sie nicht singen durften. Vielleicht wurde hier ein zwar nicht argumentativ fassbares aber doch tiefliegendes Gespür dafür sichtbar, dass der Gemeinde im Aufriss der nachkonziliaren Liturgie an bestimmten Stellen einfach eine aktive Rolle zukommen muss. Ich verbinde mit diesen Auslassungen übrigens keine musikalische Kritik – da hat mir die im Dom aufgeführte Messe an einigen Stellen sogar ausgesprochen gut gefallen. Aber halt als Vorführung in einem Konzert, nicht in einem Gottesdienst.

Aber wie schon gesagt, dennoch war dies heute alles in allem ein schöner, angemessener und guter Rahmen.

.


About

Dies ist die Homepage von Sebastian Zink. Sie finden hier mein Weblog sowie weitere Informationen zu meinen wissenschaftlichen, beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Twitter-Aktualisierungen

a

 

November 2007
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
2627282930