Archiv für Oktober 2007

Besprechung – Kunze, Axel Bernd: … in Frieden scheiden. Das Memento mori in der Feier der Tagzeiten, Marburg 2006.

kunzemementomori.jpgDer Gedanke an Tod und Sterben ist in unserer Gesellschaft nicht sonderlich en vogue. Selbst bei nahen Angehörigen scheut man sich, Sterbenskranke zu besuchen (in Krankenhäuser oder Altenheimen, wo sie „professionell“ umsorgt werden), versucht man möglichst wenig Zeit für Beerdigungen aufzuwenden, lange Trauerzeiten kann sich kaum jemand mehr leisten und werden vom sozialen Umfeld auch nicht mehr verstanden. Mit dem eigenen Tod möchte man sich schon gleich gar nicht auseinandersetzen. Und doch erscheint er letztendlich als unausweichliches Schicksal eines jeden Menschen. Memento mori – Bedenke, dass du sterben musst! Mit der Beschwörung dieses bereits in der Antike gebräuchlichen Ausdrucks (bei Triumphzügen römischer Feldherren, ermahnte damit ein Sklave dem siegreicher General permanent seiner Grenzen) versucht Axel Bernd Kunze in seiner nun in leichter Überarbeitung vorliegenden Diplomarbeit aus dem Jahr 2001 gegen das Todesvergessen unserer Zeit anzuschreiben. Er tut dies exemplarisch an der Feier der christlichen Tagzeiten, in deren Liturgie er das Memento mori an prominenter Stelle zum Tragen kommen sieht. „Dabei soll auch gefragt werden, wie die Tagzeiten, die vom letzten Konzil wieder als Feier der Gemeinde entdeckt worden sind, dazu beitragen können, dieses Element christlicher Spiritualität wieder stärker in die Gemeinde hineinzutragen“ (S. 13) …

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Frankfurter Buchmesse 2007

Gestern war ich das erste Mal seit längerem wieder auf der Frankfurter Buchmesse – und es war fast wie immer: Unglaublich viele Leute, riesige Messehallen, die der Kondition schon psychologisch schwer zusetzten, viele Aussteller und ganz ganz viele Bücher. Dazwischen auch immer wieder Autorenlesungen – die einen vor 50, die anderen vor 10 Zuhörern und einer sogar vor keinem. Mutig lehnte er am Rednerpult vor dem Stand seines Verlages und las volltönend, aber zunehmend schneller aus seinem Buch vor – nur Interesse fand er damit bei den vorbeihastenden Menschenmassen kaum (was vermutlich weniger am Autor als am ungünstigen Standort des Verlags lag – kann ich aber nicht mit letzter Sicherheit sagen, denn auch wir sind vorbeigehastet ;-) ). Insgesamt hat mich das ganze Ambiente doch reichlich an die Beschreibung von Buchheim in Walter Moers „Stadt der Träumenden Bücher“ erinnert. Ob Moers (eigentlich natürlich Hildegunst von Mythenmetz) da nicht vielleicht auch umgekehrt beim Schreiben die Frankfurter Buchmesse vor Augen hatte?

Irgendwie abstrus erschienen uns auch die vielen seltsam oder wahlweise wenig bekleideten Jugendlichen – schon im Zug nach Frankfurt fielen sie ziemlich auf und auch auf der Buchmesse selbst liefen sie einem ständig über den Weg. Nach längerem Rätseln konnten wir dann herausfinden, dass es sich hierbei um Cosplayer handelt, die an der Big-in-Japan-Cosplaymeisterschaft teilnahmen, welche jedes Jahr im Comicteil der Buchmesse stattfindet. Es geht dabei darum, sich wie ein Comic-Held anzuziehen und im Fall der Buchmesse dienten japanische Comics (Mangas genannt) als Vorbilder. Naja, wem es gefällt.

Inhaltlich konnte ich mal wieder viele neue Anregungen bezüglich lesenswerter Bücher aufnehmen (die Frage, wann ich eigentlich die Zeit habe diese in diversen Verlagsprogrammen markierten Bücher zu lesen, drängt sich mir erst heute so langsam auf). Allerdings ist mir sachbuchtechnisch sehr deutlich aufgefallen, dass man zwar unendliche Mengen an Lesestoff aus der Geschichte, der Germanistik bzw. Literaturwissenschaft, der Philosophie und der Theologie finden konnte, Pädagogik, Soziologie und mit Einschränkungen Psychologie waren aber durchaus unterrepräsentiert. Eine Beobachtung, die ich mir auch mit Blick auf ein Hauptthema der Buchmesse – Bildung – kaum erklären kann.

Apropos Bildung – Alexander, sorry den Hauptstand von W. Bertelsmann haben wir einfach nicht gesehen (was entweder an der Größe der Messe oder an der mit fortschreitendem Tag zunehmenden Selektivität und Zufälligkeit unserer Wahrnehmung lag). Beim Forum Bildung hatte W. Bertelsmann allerdings zumindest eine Stellwand mit thematisch relevanten Büchern aus seinem Programm und da war die Reihe „Forum Bildungsethik“ nicht vertreten. Schon sehr schade, denn da hätte sie wohl doch sehr gut gepasst (Infos zu Veröffentlichungen aus der Reihe hier und hier).

Besprechung – Ethica 3/2007

Jetzt habe ich es gerade noch geschafft, die Besprechung der Ethica 3/2007 wie versprochen noch in dieser Woche zu posten.

Schuld daran, dass meine Freitagnachmittagsbeschäftigung nun doch bis in den Abend gedauert hat, waren v.a. eine kaputte Telefonbuchse – und damit keine Möglichkeit ins Internet zu kommen – und ein Telekomtechniker, der zwar prompt vorbeikam – Lob! – aber halt so seine Zeit brauchte, um alles wieder in Gang zu setzen.

Nun ja, jetzt ist ja alles geschafft und ich kann noch beruhigt ein bisschen Spaßsurfen. Morgen früh geht es dann zur Frankfurter Buchmesse.

Eva Herman, die Medien und die Katholiken

Nachdem sich gestern und heute die Agenturen mit Meldungen über Eva Herman mal wieder überschlagen haben, kann ich nicht anders, als nun auch einmal ein paar Bemerkungen loszuwerden:

  1. Das Familienbild, das Frau Herman vertritt und das gemeinhin als traditionell bezeichnet wird, hat maximal 200 Jahre auf dem Buckel. Es ist während des Aufstiegs des Bürgertums zu Beginn des 19. Jh. entstanden und hat sich insbesondere mit dem Merkmal einer nicht-arbeiten-müssenden Frau im Lauf des 19. Jh. zu einem Standeszeichen des gehobenen Bürgertums entwickelt (der Mann verdient so viel, dass Frau und Kinder im Gegensatz zum Großteil der Arbeiter und des Kleinbürgertums nicht arbeiten müssen). Als zu Beginn des 20. Jh. auch die Arbeiter einen enormen sozialen und v.a. wirtschaftlichen Aufstieg erfuhren (der sich bis in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg hinzog), hatten sie dieses bürgerliche Familienbild als anzustrebendes Ziel vor Augen. Erst in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg hat es sich als das „normale“ durchgesetzt. Dementsprechend waren auch die Arbeitslöhne bis in die 1970er so beschaffen, dass ein Mann mit seinem Gehalt in der Regel eine ganze Familie ernähren konnte. Als dieses („traditionelle“) Familienbild in der Folge der 1968er zunehmend in Frage gestellt wurde, ging damit auch eine Einkommensentwicklung einher, die es heute in großen Teilen der Gesellschaft unmöglich macht, das Alleinversorgerprinzip in einer Familie zu leben (aber diese Erfahrung hat Frau Herman vermutlich einfach nie gemacht).
  2. Die Vorstellung, dass Kinder insbesondere dann eine ideale Erziehung und Förderung erhalten, wenn die Mutter zuhause bleibt, zeigt die zutiefst bürgerliche Herkunft dieses Familienmodells. In einigermaßen geregelten finanziellen und sozialen Verhältnissen mag die Beziehung zwischen Kind und Eltern wirklich die förderlichste sein (auch wenn selbst hinter „gutbürgerlichen Fassaden“ sicher lange nicht alles Gold ist was glänzt), in prekären Familiensituationen (die im Übrigen gar nicht so einfach und allgemein zu bestimmen sind) ist dies oft nicht der Fall. Die Frage nach der Abgrenzung zwischen öffentlichem und privatem Raum, zwischen der Verantwortung des Staates und der (Allein-)Verantwortung der Familie für den ihr eigenen Bereich muss unter diesem Aspekt zumindest immer wieder neu gestellt werden. Ganz nebenbei: Zwar ist das Modell der Vater-Mutter-Kinder-Familie sicher noch das dominierende in unserer Gesellschaft, aber schon lange nicht mehr das allein vorherrschende. Was ist etwa mit allein erziehenden Frauen (und Männern), die arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen? Diese müssen für ihr Kind oft Betreuungs- oder Erziehungsangebote wahrnehmen. Sind sie deswegen schlechtere Eltern? … weiterlesen ‘Eva Herman, die Medien und die Katholiken’

Besprechung Ethica 2/2007

Auf dem Forum Sozialethik habe ich hier eine Besprechung der Ethica 2/2007 veröffentlicht. Die Ethica ist eine interdisziplinär angelegte Zeitschrift, die „der Eigenart und Entfaltung von Physis, Bios, Psyche und Pneuma durch Berichte über jenes Wissen aus Forschung und Lebenserfahrung, das Eigenart und Entfaltung von Natur, Leben, psychischer Gestimmtheit und geistiger Kreativität fördert oder zu fördern vermag“ und damit der Verantwortung in Wissenschaft, Forschung, Lehre und Verhalten dienen will. Vielleicht interessieren sich ja auch ein paar Leser meines Blogs.

In Zukunft wird es von jedem der vierteljährlich erscheinenden Hefte eine solche Besprechung geben (was auch bedeutet: Ethica 3/2007 folgt noch in dieser Woche – und damit etwas näher am Erscheinungsdatum ;-) ).

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Free Burma

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Der heutige Burma-Tag in der Blogosphäre will ein Zeichen der Solidarität setzen für die Demonstranten der letzten Wochen in Burma. Für die Demonstranten, die gegen eine seit Jahrzehnten brutal und kompromisslos herrschende Militärjunta und für Demokratie und die Wahrung der Menschenrechte auf die Straße gingen, für die Mönche, die den Mut hatten dies zu initialisieren, für die vielen Menschen, die in den letzten Tagen in Burma spurlos verschwunden sind (seien es Blogger, die über die Vorgänge berichteten oder auch nur Menschen, die Beifall für die Demonstranten klatschten). Wir wollen deutlich machen, dass die Welt diese Vorgänge wahrnimmt, dass die Situation in Burma/Myanmar nicht vergessen ist, selbst dann, wenn die Machthaber den Informationsfluss durch das Kappen des Internets versuchen zu behindern.

Trotzdem, es war schon auffällig, dass nach den ersten großen erschütternden Schlagzeilen (z.B. in der FAZ) in den letzten Tagen doch kaum mehr etwas über den Fortgang der Ereignisse zu hören war. Dieses schnelle Vergessen ist wohl ein Zeichen unserer gegenwärtigen Mediengesellschaft – Themen werden schnell aufgebracht und hochgepuscht, wenn sich aber längere Zeit nichts absolut Umstürzendes ereignet, dann wird nicht mehr berichtet, selbst wenn die Dinge vielleicht nach wie vor tragisch sind (das Beispiel Dafur ist eines unter vielen). Und genau deshalb ist eine solche Aktion in der Blogosphäre wichtig – eine Aktion gegen das Vergessen. Und dass das ankommt, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass die SZ sowohl über diese Aktion als auch über die Blogger in Burma berichtet hat.

Vielleicht ändert sich ja doch etwas… in Burma und in vielen anderen Regionen der Welt. Also tragt euch in die große Unterschriftenaktion Petition für Burma ein.

Einen interessanten Newsticker über die aktuellen Ereignisse in Burma/Myanmar der Spiegelfechter.

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Dies ist die Homepage von Sebastian Zink. Sie finden hier mein Weblog sowie weitere Informationen zu meinen wissenschaftlichen, beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten.

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