Tagung: Kultur als Arbeitsfeld und Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler II

27 09 2007

Nachdem es schon gestern einiges an durchaus interessanten Vorträgen und Diskussionen zu hören gab, wurde heute die Tagung “Kultur als Arbeitsfeld und Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler” mit vier Referaten fortgesetzt, die sich nicht so ganz einfach unter eine inhaltliche Überschrift setzen ließen. Am ehesten dazu geeignet wäre vielleicht noch der Titel der Abschlussdiskussion “Ausbildung von Geisteswissenschaftlern und der Arbeitsmarkt Kultur – zwei getrennte Welten” (Ich für meinen Teil hätte hinter diese Aussage – anders als im Tagungsprogramm geschehen – wohl zumindest noch ein Fragezeichen platziert).

Zunächst aber stellte Dr. Karin Drda-Kühn, Vorstandsvorsitzende des Vereins für Kultur und Arbeit e.V., Mainz (Träger des kulturellen Serviceportals www.vertikult.de) eine Reihe anhand des Serviceportals gewonnene empirische Daten zum Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler vor. So konstatierte sie, dass sich im öffentlichen Dienst Arbeitsplätze für Geisteswissenschaftler kaum vermehren und zumeist auch nur befristet besetzt werden. Neue Arbeitsplätze entstünden dagegen vor allem in privatwirtschaftlichen Unternehmen der Kulturwirtschaft. Arbeitsfelder der Zukunft seien hier insbesondere der Kulturtourismus, Kultur und Alter, kulturelle Bildung bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund, Personalentwicklung, Medienwirtschaft, Wissensmanagement, Wissens- kommunikation usw. Nach den Ausschreibungstexten zu urteilen beinhalten die Anforderungen der Unternehmen an Geisteswissenschaftler zunächst eine gute akademische Fachqualifikation als Grundlage und Voraussetzung sowie weitergehende Kompetenzen. Zu nennen wären hier Projekt- und Finanzmanagement, Presse-/Öffentlichkeitsarbeit, weitere Sprachkenntnisse über Englisch hinaus, unternehmerische Sensibilität/Kenntnisse, Mobilität, Kenntnisse in den Informationstechnologien, Kenntnisse in Fördermittelbeschaffung/ Drittmittelaquise/ Fundraisung – alles in allem “kann das kein junger Mensch auf einmal mitbringen – zumindest nicht auf einem einigermaßen qualitätvollem Niveau. Drda-Kühn fordert allerdings, dass die Hochschulen diese herausdestillierten Anforderungen zumindest reflektieren und ihnen in einem wie auch immer gearteten integrativen Ansatz versuchen in ihrer Lehre zu entsprechen. …

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Tagung: Kultur als Arbeitsfeld und Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler I

26 09 2007

Heute und morgen nutze ich einmal wieder die Gelegenheit während des Praktikums von Melli in Berlin kostenlos übernachten zu können. Konkret besuche ich die von Deutschem Kulturrat, Gerda-Henkel-Stiftung und dem Kulturbüro der EKD ausgerichtete Tagung “Kultur als Arbeitsfeld und Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler” – also eine Thematik, die für mich so fern ja jetzt nicht liegt. Wie der Titel schon sagt, ging es in erster Linie darum, Arbeitsperspektiven für Geisteswissenschaftler (und die Voraussetzungen für die Wahrnehmung solcher) vorzustellen und zu diskutieren. Wie aktuell diese Fragen sind, lässt sich dabei leicht an der die Marke von 300 Personen streifenden Teilnehmerzahl ablesen.

Bevor man aber so richtig “medias in res” zur Sache kam, führte Bundesbildungsministerin Schavan einige Überlegungen zur Stellung der Geisteswissenschaften in der bundesdeutschen Universitätslandschaft aus – die Veranstaltung fand nämlich im Rahmen des vom BMBF ausgerufenen Jahres der Geisteswissenschaften (ich habe hier schon einmal darüber geschrieben) statt. Schavan betonte die Wichtigkeit umfassender geisteswissenschaftlicher Bildung, denn “Aus einem gebildeten Menschen wird leicht ein Spezialist, aus einem Spezialisten aber nur schwer ein gebildeter Mensch” und sah dementsprechend die zentrale gesellschaftliche Rolle der Geisteswissenschaften in ihrer Bildungsfunktion. Der “homo universale” (umfassend gebildeter italienischer Renaissancemensch) ist ihrer Ansicht nach auch und gerade heute für eine funktionierende Gesellschaft und vor allem in Bezug auf die durch breite Bildung ausgelösten kreativen Potentiale auch für die Ökonomie unentbehrlich. Der sonst in einem solchem Kontext immer wieder angeführte kritische und interpretierende Blick auf die Gesellschaft wurde von der Ministerin demgegenüber weniger intensiv betont, wenn auch implizit wohl durchaus mitgedacht. …

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Alessandro Pinzani: Jürgen Habermas

24 09 2007

Vor Kurzem hat Alessandro Pinzani unter dem einfachen Titel “Jürgen Habermas” ein Buch herausgegeben, das beansprucht “Gehalt und Werden des Habermas’schen Werkes” in einfacher Sprache zusammenfassend auf 231 Seiten darzustellen (nachdem ich die Rezension in der SZ auf die Schnelle nicht online gefunden habe, hier der Text über Perlentaucher). Ähnlich wie bei Margot Berghaus’ Buch “Luhmann leicht gemacht” kann man hier sicher schon auf die Kritiken warten, die dem Buch Oberflächlichkeit und zu geringe Differenzierung unterstellen. Zugegeben, vermutlich sind gewisse Vereinfachungen bei derartigen einführenden Zusammenschauen nicht zu vermeiden und ersetzen nicht die intensive und widerständige Lektüre der Originaltexte. In aller Regel erheben diese Bücher ja auch gar nicht einen solchen Anspruch. Zur Einführung allerdings, zu einer ersten Beschäftigung und um sich das jeweilige Denksystem als Ganzes einmal vor Augen zu führen, sind sie meines Erachtens unverzichtbar – und nur bei diesen Funktionen sollte dann auch die Kritik ansetzen. Im Übrigen ist es gar nicht so einfach, verständlich und komprimiert zu schreiben (merke ich bei meinen Texten auch immer wieder) – auch diese Leistung sollte also nicht zu gering gewürdigt werden.

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Lebenswege (oder einfach: Aufnahme ins Noviziat)

17 09 2007

Am Samstag ist eine Bekannte von mir ins Noviziat bei der Congregatio Jesu, besser bekannt als Maria-Ward-Schwestern, aufgenommen worden – eine sehr schlichte aber trotzdem stimmungsvolle Feier, als deren Höhepunkt sich die angehende Novizin und der Orden (in Person der Provinzialoberin) versprachen, es miteinander versuchen zu wollen. Das Noviziat ist ja so etwas wie eine Probezeit für das Ordensleben und bei weitem nicht die erste. Meine Bekannte z.B. hatte schon lange Kontakt zum Orden und hat teilweise schon im Ordenshaus mitgelebt, bevor sie dann in einer intensiven Zeit des Nachdenkens und Kennenlernens – dem Postulat – noch einmal in sich ging, ob das Einschlagen dieses Lebensweges denn das Richtige für sie sei. Und all diese Probezeiten sind wohl durchaus nicht nur zur Prüfung für die angehende Schwester sondern auch für den Orden zu verstehen – Passt die Anwärterin zu uns, kann sie sich auf unsere Spiritualität einlassen, können wir ihr das geben, was sie sucht? Dass die allermeisten Orden diese Zeit der gegenseitigen Prüfung sehr ernst nehmen, sieht man denn auch daran, dass es auch in Zeiten der großen Nachwuchssorgen immer wieder Situationen gibt, wo Kandidatinnen und Kandidaten abgelehnt werden.

Geht man einen solchen Weg, dann hat man sich das also in der Regel sehr genau überlegt. Und gerade weil ich selber einen anderen Lebensweg gewählt habe – einen der in unserer Gesellschaft wohl eher als der “normale” bezeichnet werden würde – finde ich diese Entscheidung eine sehr mutige – eine Entscheidung, die in ihren Konsequenzen wohl noch so manche Herausforderungen bereithält, die sicher nicht immer ohne Zweifel ist (aber welche Entscheidung ist das schon?), die in der Möglichkeit einer ganz eigenen Gottesbeziehung aber vielleicht auch viel Reichtum bereit hält. Zumindest hoffe ich das und wünsche meiner Bekannten sehr, dass sich ihr eingeschlagener Weg als der für sie richtige erweist (oder aber im anderen Fall den Mut, den eine Umentscheidung dann braucht).

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Solidarität und Toleranz

13 09 2007

Es ist mal wieder ein schönes Beispiel, wie schnell die Zeit vergehen kann, wenn sie gut ausgefüllt ist. Kaum bin ich am Montagmorgen Richtung Forum Sozialethik aufgebrochen, war es denn auch schon wieder vorbei – zwei Tage mit zumeist spannenden Vorträgen, Diskussionen und – für mich fast das Interessanteste – dem Kennenlernen einer ganzen Reihe von Menschen, die sich im deutschsprachigen Raum im Bereich der Sozialethik tummeln. Dafür bietet das Forum als Treffen junger Sozialethiker wirklich einen mehr als angenehmen und von negativen Attitüden freien Rahmen.

Inhaltlich hat die Tagung gezeigt, dass es so etwas wie ein klares und eindeutiges Verständnis der Begriffe Toleranz und Solidarität nicht gibt – weshalb auch am Ende der Tagung nicht versucht wurde mit Gewalt quasi einen Minimalkonsens herzustellen. Das ist bei solchen Begrifflichkeiten wohl auch weder möglich noch sinnvoll, wenn man nicht in inhaltsleeren und der Beliebigkeit Tür und Tor öffnenden Kurzdefinitionen landen will. Für mich stellt sich die ganze Sache in einem ersten Nachdenken (sicher unvollständig und auch reichlich unsystematisch) nach der Tagung wohl ungefähr so dar:

Da haben wir zum einen die Solidarität … (weiter hier)








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