Archiv für August 2007

Sneak Preview – Die letzte Legion

Gestern habe ich es seit ewigen Zeiten einmal wieder geschafft, in eine Sneak Preview zu gehen – ich finde, es hat schon was, sich filmtechnisch überraschen zu lassen. Wir waren also gespannt und ließen die Filmvorschau von Resident evil, 28 weeks later und terror planet über uns ergehen. Doch letztendlich gezeigt wurde dann tatsächlich kein Zombiestreifen, sondern – „Die letzte Legion“. Fazit: Es hätte schlimmer kommen können.

Zur Story: Im Jahr 470 wird Romulus Augustulus zum letzten römischen Kaiser gekrönt und kurz darauf vom germanischen Heerführer Odoaker abgesetzt (dieser war im Übrigen nicht wie im Film behauptet Gote, sondern Sohn eines Hunnen und einer Skirin). Romulus wird von Odoaker aber nicht ermordet sondern nur nach Capri verbannt (historisch richtiger: auf ein Gut bei Neapel). Dort kommt er mit Hilfe des weisen Lehrers Ambrosinus einer Prophezeiung auf die Spur, wird von Getreuen befreit und flieht mit diesen nach Britannien, wo sich angeblich noch eine letzte römische Legion halten soll (spätestens hier wird es historisch kreativ).

Ohne zuviel zu verraten: Der Film lässt kein gängiges Klischee über Historienfilme aus, ist aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb lustig und halbwegs spannend anzusehen. Unter historischen Gesichtspunkten muss man den Film letztendlich als eine ganz große Katastrophe bezeichnen, in dem von der Story, über einschlägige Fakten und auch die Darstellung der Lebenswelt (eine mehrtürmige Burg mit Mauerring gab es z.B. meines Wissens im Britannien des 5. Jh. dann doch noch nicht) nur wenig als realistisch angesehen werden kann – aber immerhin: man war kreativ. So ist der Film für alle, die eine schöne Abendunterhaltung suchen und sich nicht an einer verqueren historischen Darstellung stören durchaus sehenswert.

Was mich allerdings etwas bedenklich stimmt: Der historisch halbwegs gebildete erkennt natürlich das offensichtlich große und bei einem solchen Film wohl auch zu erwartende kreative Potential von Drehbuchautor und Regisseur. Wenn man allerdings weiß, wie stark unsere Vorstellung von Vergangenheit durch Bilder und durch vielleicht sogar emotional mitreißende narrative Präsentationen geprägt wird, dann wird an diesem Film deutlich, wie stark verfälschend derartige Historienschinken auf die Vergangenheitskonstrukte (und damit auf die Identitätsbildung) einigermaßen unbedarften Zuschauer und auf unser kulturelles Gedächtnis allgemein einwirken können. Ohne den Teufel jetzt zu sehr an die Wand malen zu wollen, aber insbesondere problematisch empfinde ich hier die Einebnung historischer Differenz zugunsten einer massenwirksamen Story. Die Charaktere tragen dann zwar historische Gewänder und spielen in historischer Kulisse, ihre Denkmuster, ihre Vorstellungen und ihre Handlungen aber sind eigentlich die von Menschen des 21. Jahrhunderts und nicht die der Menschen aus der jeweiligen Epoche. Differenzerfahrungen wie sie die Beschäftigung mit der Geschichte liefern kann und mit welchen in unserer zunehmend durch kulturelle Vermischung geprägten Gegenwart gelernt werden muss umzugehen gehen dabei verloren.

Dabei verliere ich natürlich nicht aus den Augen, dass es gerade für die Identitätsgewinnung wichtig und sinnvoll sein kann Geschichten aus der Geschichte erzählt zu bekommen – Geschichten (Mythen), die auch nicht immer der historischen Wirklichkeit (was immer das ist und ob wir sie überhaupt in Gänze erfassen können) entsprechen müssen, die aber ein Identifikationsangebot an den Hörenden/Lesenden beinhalten und zur Bewältigung/Deutung seiner Gegenwart beitragen können. Dazu mehr aber hier. Ob für einen solchen Anspruch die Story in „Die letzte Legion“ allerdings tiefgründig genug ist, wage ich zu bezweifeln. Durch das Retouchieren von Differenzerfahrungen gibt sie – wie gezeigt – schon einmal auf eine der wichtigen Herausforderungen der Gegenwart eben keine Antwort.

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Berlin, Berlin – ich fahre nach Berlin

Tja, nachdem es Melanie für ein Praktikum bei der Konrad-Adenauer-Stiftung nun für neun Wochen nach Berlin verschlagen hat, nutze ich seit Freitag diese Gelegenheit, besuche sie dort für ne Woche und mache Berlin unsicher. Dabei musste ich wieder einmal feststellen: So eine Großstadt kann echt laufintensiv sein – und das, obwohl wir die meisten größeren touristischen Sehenswürdigkeiten einmal außen vor gelassen haben (für das Touristenprogramm war ich einfach während meines Praktikums im Bundestag vor gut einem Jahr schon zu lange da).

Wie so oft in Berlin war auch an diesem Wochenende mal wieder ewig viel los in der Stadt – erwähnt seien als Auswahl die „Lange Nacht der Museen„, der Tag der offenen Tür in Bundespresse- und Bundeskanzleramt (ich frage mich ja immer noch, ob es momentan nicht Bundeskanzlerinamt heißen müsste) und ein SchülerInnenkonzert am Brandenburger Tor (wohl aus Anlass der heute endenden Schulferien in Berlin; heute früh konnte ich dann im Radio die Nachwehen in Form von Diskussionen über schwulenfeindliche Entgleisungen von Bushido miterleben).

Nachdem ich am Freitag erst irgendwann spät mit dem ICE angekommen bin, startete unser Berlinprogramm so richtig erst am Samstag. Erste Station war die „Sandsation“ am Hauptbahnhof – internationale Künstler haben Skulpturen aus Sand geschaffen und die konnte man sich da dann halt anschauen (gegen jede Vernunft – also zumindest gegen meine – trotzen diese Skulpturen auch völlig problemlos jedem Regen; angeblich soll ein solcher sogar die Haltbarkeit verlängern). Cool fand ich, dass die Künstler bei dem Thema „Welcome to Paradize“ nicht nur irgendwelche Utopien darstellten, sondern teilweise durchaus auch sozialkritisch vorgingen: Die Kluft zwischen Arm und Reich etwa tut sich auf beim Betrachten dieser Skulptur, die ein Boot vollbesetzt mit „boat people“darstellt:

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Und ein großes Gemeinschaftswerk mehrerer Künstler versucht ein friedliches Miteinander der Welt in Nord, Süd, Ost und West in den Blick zu nehmen:

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Es folgten ein Cafe Latte am Brandenburger Tor und ein Bummel durch die Arkaden, bevor wir uns dann in die lange Museumsnacht stürzten.

Eine Ausstellung mit Bildern von Chagall, Dali und Picasso bildete den Auftakt (die Abfolge der Namen drückt dabei durchaus die Wertschätzung meinerseits gegenüber den Werken der Künstler aus ;-) ). Gewisse Ratlosigkeit hinterließ dann allerdings unsere nächste Station: Wir standen vor einem riesigen Holzverschlag, der so a biserl an die Arche Noah erinnerte (bzw. an die Vorstellung, die ich mir halt davon mache) und wo man durch kleine Fenster ins Innere blicken konnte – dort sah man dann auf Paletten angepflanztes Gras. Nach ein paar irritierten Umrundungen des Ungetüms hatte Melli schließlich genug und ging mutigen Schrittes auf einen erst bei näherem Hinsehen als solchen erkenntlichen Infostand zu und brachte in Erfahrung dass es sich wohl um eine Grasfabrik handelt, die am Fließband Gras für das eigene Dach produziert, welches dort dann wieder verdorrt. Symbolisiert werden soll dadurch die Absurdität des modernen Konsums und der Kreislauf des Werden und Vergehens. Na gut, wenn man es einmal weiß, dann ist es auch soweit einsichtig. Ach ja, die Künstlerin heißt Phoebe Washburn.

Im Vergleich dazu gestaltete sich dann die weitere Nacht verhältnismäßig unspektakulär. Wir tourten durch das Deutsche Historische Museum, erkletterten die Kuppel des Berliner Doms und erkundeten das Naturkundemuseum bevor wir schließlich einigermaßen geschafft den Heimweg antraten.

Am Sonntag haben wir dann einen eklatanten Fehler gemacht: Wir sind in den Tierpark gegangen (wohlgemerkt -park, nicht -garten oder -zoo; für Berlinunkundige: es handelt sich hierbei quasi um den Zoo des ehemaligen Ostteils der Stadt). Das lag wohlgemerkt nicht am Tierpark – der ist mit den vielen Tieren und dem meist schön angelegten Gelände schon sehenswert (wenn mal jemand hinkommt: Vor allem die Varis – Halbaffen, die sich auch streicheln lassen und mal frech nen Apfel stibitzen – sind echt sehens- und erlebenswert) – der Fehler lag in der Fehleinschätzung unserer läuferischen Form nach der Museumstour in der Nacht. So kam es denn, dass wir uns nach ca. sechs Stunden Tierpark doch einigermaßen müde zu Mellis WG schleppten, um wenigstens noch einen ruhigen Abend zu verbringen. Schließlich wartet jetzt ja wieder eine neue Arbeitswoche :-) .

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„Jahr der Geisteswissenschaften“

Wir befinden uns aktuell also im „Jahr der Geisteswissenschaften„. Ich habe immerhin acht Monate gebraucht, um das mitzubekommen, aber vielleicht war ich ja einfach von Blindheit geschlagen und hab deshalb die entsprechende ausufernde Werbeoffensive einfach irgendwie übersehen.

Ich finde solche „Jahre“ ja grundsätzlich etwas ambivalent (einerseits will man damit auf etwas aufmerksam machen, andererseits ist es mit der Aufmerksamkeit auch schnell wieder vorbei weil ja ein neues „Jahr“ anbricht) aber es wirft doch schon ein sehr schräges Bild auf den Stellenwert eben dieser Geisteswissenschaften bei Bildungspolitikern, wenn man dann mitten im „Geisteswissenschaftsjahr“ lesen muss, dass in der Zeit zwischen 1995 und 2005 663 Lehrstühle in den Sprach- und Kulturwissenschaften nicht mehr besetzt wurden – ein Rückgang von sage und schreibe 11,6 Prozent. Interessant ist in diesem Kontext auch eine Pressemitteilung des bayerischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst von gestern zur Studie Bildungsmonitor – ein Auszug:

Bayern setzt einen klaren Schwerpunkt auf den weiteren Ausbau der Ingenieur- und Naturwissenschaften. Dies teilte Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel mit Blick auf den am Dienstag vorgestellten „Bildungsmonitor 2007″ mit. Zugleich hob der Minister die Feststellungen des Berichts zur Leistungsfähigkeit des bayerischen Hochschul- und Bildungssystems hervor. Die Aussagen des Berichts zum Bedarf der bayerischen Wirtschaft nach sog. MINT-Absolventen führte Goppel im Wesentlichen auf die starke Wirtschaftskraft und damit auf die starke Nachfrage nach Fachkräften zurück. Bayern habe gegen den Bundestrend in den vergangenen zehn Jahren die Professuren in den Ingenieurwissenschaften an den Universitäten um 8,7 Prozent (Bundesschnitt: Abbau um 13,3 Prozent) und an den Fachhochschulen um 14,3 Prozent (Bundesschnitt: Abbau um 3 Prozent) ausgebaut. Diesen Weg werde Bayern konsequent fortsetzen und beim Ausbau des Studienangebots für die in den kommenden Jahren steigenden Studierendenzahlen bei den Ingenieur- und Naturwissenschaften „einen klaren Schwerpunkt setzen“, so der Minister.

Es sieht also so aus, als ob ich mich in der Wahl meines Studiums gründlich vertan hätte. Und dabei habe ich eigentlich gedacht, dass doch auch Geisteswissenschaften für unsere Gesellschaft wichtig wären. Wichtig

  • um die Grundlage zu schaffen für die Orientierung eines jeden einzelnen in der ihn umgebenden Welt und für die Bewusstwerdung der eigenen kulturellen Identität (eine unverzichtbare Grundlage für den interkulturellen Umgang miteinander in einer sich immer stärker globalisierenden Welt)
  • um zu Kritik- und Urteilsvermögen zu befähigen – wichtige Voraussetzung für eigenständiges, innovatives und kreatives Denken, für politische Partizipation und berufliche Flexibilität
  • um gesellschaftliche Entwicklungen zu beobachten, produktiv mitzugestalten und voranzutreiben in der Bereitstellung einer Plattform und der Befähigung zu einem Diskurs über Ziele dieser Entwicklung und die Methoden der Erreichung dieser (konsensualen oder partikularen) Ziele

Kurzum, die Geisteswissenschaften fördern die Reflexionsfähigkeit und die geistige Emanzipation des Menschen – die unaufgebbare Grundlage unserer modernen Demokratie. Das klingt etwas pathetisch, ist aber so (wobei ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit der Argumente pro Geistenwissenschaften erhebe – interessante Beiträge zu dieser Frage finden sich hier).

Ein massiver Abbau geisteswissenschaftlicher Lehrstühle und eine einseitige Schwerpunktsetzung auf Ingenieur- und Naturwissenschaften dürfte also eigentlich gerade aus Sicht der Politik unverständlich sein und gesellschaftlich sinnvoll ist er garantiert nicht. Aber vielleicht wird ja im und nach dem „Jahr der Geisteswissenschaften“ alles besser.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Das soll jetzt keine Breitseite gegen die Ingenieur- und Naturwissenschaften sein – auch diese sind wichtig. Aber halt – was lese ich gerade? Auch deren Lehrstühle wurden, zumindest im gesamtdeutschen Kontext, trotz allgemein steigender Studierendenzahl (gilt übrigens insbesondere für Geisteswissenschaften, Ingenieurwissenschaften haben ein Studierendenproblem) verringert. Na dann …

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Projekte im Fach Geschichte

Schon vor meinem Urlaub bin ich bei H-Soz-u-Kult auf die Rezension des Sammelbandes von Simone Lässig und Karl Heinrich Pohl „Projekte im Fach Geschichte. Historisches Forschen und Entdecken in Schule und Hochschule, Schwalbach 2007″ gestoßen. Mittlerweile ist es per Fernleihe auf meinem Schreibtisch gelandet und ich habe ein bisschen hineingelesen.

Das Buch versucht die theoretischen Vorteile der Projektmethode mit den Bedingungen des Unterrichts in Regelschule und Universität zusammenzubringen – und das, obwohl die Herausgeber in ihrem Vorwort feststellen, dass sich der Ansatz der Projektmethode mit den aktuellen schulischen und universitären Rahmenbedingungen in Deutschland eigentlich nicht vereinbaren lässt. Wie dies dennoch gelingen kann (zumeist unter starker Reduzierung des bei der Projektmethode eigentlich intendierten Prinzips der Selbstbestimmung) wird dann im Folgenden unter verschiedensten Perspektiven beleuchtet (ausführlich hierzu die oben genannte Rezension).

Schade finde ich persönlich an diesem ansonsten wirklich spannenden Buch, dass hierbei auf die Möglichkeiten, die die sog. „Neuen Medien“ im Rahmen von Projekten bieten, nur wenig eingegangen wird. Das mag damit zusammenhängen, dass ein größerer Teil des Sammelbandes auf eine Sektion des Historikertages 2004 in Kiel zurückgeht (was allerdings auch nur das Fehlen von Web 2.0 Applikationen erklären würde, nicht aber die mangelnde Wahrnehmung der Möglichkeiten von Internet und Computernetzwerken bzw. virtuellen Plattformen an sich). Zur Arbeit mit Wikis habe ich ja hier, wenn auch mit etwas anderer Zielrichtung schon einmal etwas geschrieben. Ganz neu ist mir aber das Tool timeline über den Weg gelaufen, mit dem es möglich ist, individuelle Zeitleisten zu erstellen und z.B. in einen Blog zu integrieren – eine sehr spannende Möglichkeit, deren Erprobung im schulischen Kontext, vielleicht gerade innerhalb eines Projektes (das ich hier einmal ähnlich wie Lässig/Pohl mit praxisbedingten Abstrichen von einer idealtypischen Definition verstehe) unbedingt einmal erprobt werden sollte.

Erwähnenswert finde ich bei aller verständlichen – auch von mir bisweilen geteilten – Euphorie insbesondere in den Didaktiken und der Lehrerausbildung über die Anwendung der (abgewandelten) Projektmethode im schulischen Kontext (an der „Praxisfront“ stehende Lehrer waren da ja schon immer skeptischer/kritischer) auch noch einen weiterer Hinweis der Herausgeber: Nach neueren Untersuchungen fördern offene Lernarrangements wie eben die Projektmethode insbesondere aktive, leistungsstarke und besonders fähige Schüler, während „schwächere“ (inaktive, schüchterne, leistungsschwächere) Schüler sich in festeren, straffer strukturieren Unterrichtsformen um einiges leichter tun und von diesem mehr profitieren. Nimmt man eine Fragestellung wie die nach Bildungsgerechtigkeit hinzu, darf dieser Aspekt nicht aus den Augen verloren gehen und mahnt, auch Projektarbeit nicht als pädagogisches Allheilmittel zu sehen, sondern im Blick zu behalten, dass auch diese einer spezifischen (individuellen) Förderung und Vorbereitung im Vorfeld bedarf, damit alle Lerner in ähnlichem Maß von solchen offenen Lernangeboten profitieren können.

„Zurück aus den Ferien“ oder „Frankreich und die Franzosen“

So, da bin ich also wieder – zurück in heimatlichen Gefilden. Das Wichtigste zuerst (zumindest ist das meistens die erste Frage): Ja, unser Wetter war eindeutig besser als das in Süddeutschland (was wohl auch keine ganz große Kunst war). Vor allem an der normannischen Küste (also halt an der Küste der Normandie – keine Ahnung ob das jetzt das richtige Adjektiv dazu ist) – dahin hat es uns nämlich letztendlich nach der ersten Nacht in Reims verschlagen – hatten wir durchgängig 25 Grad und Sonnenschein (o.k. der Wind war a biserl frisch, aber damit muss man am Meer halt rechnen). Nachdem wir uns ja mit Zelt und Auto auf den Weg gemacht hatten, war das auch ganz gut so.

Das Fazit: Frankreich ist wirklich eine Reise wert – zumindest punktuell und wenn man sich an die Eigenarten der Franzosen einmal gewöhnt hat. Die gotischen Kathedralen Nordfrankreichs sind einfach toll (Metz, Reims, Laon, Rouen und Bayeux haben wir gesehen – Amiens kenne ich von früher, das haben wir diesmal einfach nicht hingekriegt) und auch die Natur – wenn man die richtigen Plätze kennt. Die Kreidefelsen an der Kanalküste oder das Seinetal sind wirklich grandios. Hier mal einige Bilder (wenn man draufklickt, kann man sie sich auch größer anschauen):

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Kreidefelsen bei einem unserer Campingplätze in einem kleinen schnuckeligen Kaff namens Pourville in der Nähe von Dieppe

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Ausblick vom Chateau Gaillard ins Seinetal

Dazwischen muss man halt mit viel platter Ebene und riesigen Äckern und Wiesen leben – das ist dann für den naturästhetisch durch Fränkische Schweiz, Frankenwald, Steigerwald, Maintal und diverse andere Flecken verwöhnten Franken nur schwer zu ertragen, aber so lernt man seine Heimat denn gerade im Urlaub wieder so richtig schätzen. Schätzen gelernt habe ich auch die deutschen Straßen. Es ist einfach unglaublich anstrengend auf kilometerlang kerzengerade verlaufenden Landstraßen mit Hoppelgarantie zu fahren. Gut, es gibt auch keinen Anlass Kurven zu bauen – wie schon gesagt, es ist ja ziemlich oft ziemlich platt -, aber rein der Abwechslung halber hätte man da straßenbautechnisch schon ein bisschen einfallsreicher sein können. Zur Güte muss aber natürlich gesagt werden, dass die Qualität der französischen Straßen gegenüber so mancher osteuropäischer wegtechnischer Offenbarung im Durchschnitt doch wirklich gut ist und mich deshalb auch nicht über Gebühr gestört hat. Geärgert aber hat mich aber auf jeden Fall die absolute Verweigerungshaltung mancher Franzosen gegenüber der englischen Sprache – da redet man sie auf Englisch an (mein Französisch ist einfach nicht immer so hundertprozentig treffsicher), sie verstehen sehr eindeutig (können also Englisch), reden aber trotzdem auf Französisch weiter. Auch wenn wir uns letztendlich immer über alles Wichtige verständigen konnten, finde ich das einfach unfreundlich und lässt so manchen Franzosen ein klein wenig arrogant wirken. Auch das gilt natürlich nicht für alle und jeden – wir haben da auch Gegenbeispiele kennengelernt.

Alles in allem war der Urlaub aber genau das, was ich nach einem halben Jahr Staatsexamensstress durchsetzt mit einer ganzen Reihe von Honoraraufträgen gebraucht habe: Viel große Kultur, ein bisschen Geschichte (neben den Kathedralen vor allem in Bayeux der berühmte gleichnamige Teppich mit einer Darstellung der Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer 1066 und als Beispiel für die insbesondere aus dieser Eroberung folgenden Auseinandersetzungen zwischen französischen und englischen Königen – letztere seit 1066 ja dann zugleich Herzöge der Normandie – die Grenzfestung Chateau Gaillard bei Les Andelys), schöne Natur und dazwischen Entspannung am Strand. Und nachdem wir in diesem Jahr nur von Reims bis Bayeux gekommen sind, ist für den nächsten Urlaub mal unverbindlich die Bretagne in Aussicht genommen. Freu mich jetzt schon drauf ;-) .

Ach ja, eine kurze Erwähnung verdient auch noch die amerikanische Gedenkstätte an die Landung in der Normandie 1944 in Colleville bei Bayeux. Es symbolisiert wohl das, was am besten als „Monumentalarchitektur des 20. Jahrhunderts“ umschrieben werden könnte.

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Hier auf dem Foto nicht die zentrale, mit Lorbeeren bekränzte Soldatenstatue im hellenistischen Design (die zu photographieren hatten wir einfach keine Lust), sondern die Kreuze für die gefallenen Soldaten (auf jedem Kreuz steht ein Name und für jüdische Gefallene wurde der Davidsstern anstatt des Kreuzes verwendet).

Es ist fraglos wichtig, an das Ereignis und vor allem an die vielen Opfer zu erinnern. Ob allerdings der Heldenpathos mit dem dies hier geschieht die richtige Art und Weise ist, darüber lässt sich wohl streiten. Vielleicht komme ich in meiner Promotion ja auch an den Punkt, wo es lohnt, solche Erinnerungslandschaften wie sie sich etwa an der Küste der Normandie ausgebildet haben (Colleville ist ja bei Weitem nicht die einzige Gedenkstätte an den „D-Day“), näher zu untersuchen. Spannend wäre es..

Und wer jetzt noch mehr Bilder von unserem Urlaub und vielleicht eine nochmal andere Perspektive (die meiner Freundin) darauf lesen will, der klicke hier.

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Blogumstrukturierung und dann „auf in die Ferien“

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, wird feststellen, dass ich heute einige Veränderungen daran vorgenommen habe. Mein Hauptblog wird zukünftig in erster Linie für kleinere Berichte und Reflexionen über meine Erlebnisse da sein. Längere Texte, die sich mit meinen wissenschaftlichen Interessen beschäftigen, werden in Zukunft in ihrer Gänze nur als Unterseiten der neuen Hauptseite „Sachthemen“ erscheinen. Im Hauptblog sind dann nur noch die ersten Zeilen zusammen mit einem weiterführenden Link zu finden. Einen Überblick über die Themen erhält man durch die Aufgliederung des Inhalts der Homepage rechts in der Sidebar.

So, und nachdem das geschafft ist, kann ich jetzt beruhigt eine Woche in Urlaub gehen. Nach Frankreich – zuerst nach Reims und dann schauen wir mal, wo uns der Weg hinführt. Nachdem wir ein Zelt dabei haben, werden wir uns halt da einen Campingplatz suchen, wo es uns gefällt. Ach ja, wir sind meine Freundin und ich.

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Land Leben Luschd – Teil 2

Gestern habe ich ja aus Platz- und Zeitmangel aufgehört zu berichten, heute also, nachdem ich von ungenannt Bleibenden dazu gedrängt wurde, auch etwas darüber zu schreiben, was ich denn während der vier Tage so gemacht habe, die Fortsetzung – bitteschön:

Ich selber habe mir in meinen Workshops und Exkursionen (da wurde am Freitag und am Samstag während des Tages ziemlich viel Verschiedenes angeboten – von inhaltlichen Aktivitäten über Kreativeinheiten bis hin zu Erkundungen und Wanderungen unterschiedlichster Art) ein paar regionaltypische Natursehenswürdigkeiten angesehen. Da war zum einen das Wurzacher Ried, die größte erhaltene Hochmoorfläche Deutschlands (in Mitteldeutschland waren die Moore ursprünglich mal viel größer, aber die hat man im 19. Jahrhundert alle trockengelegt). Von einem etwas pausenvernarrten (Kaffee, Mittagessen, Eis, Abschlussradler oder –bier) aber sonst hervorragenden Führer wurde uns der Unterschied zwischen Hoch- und Niedermoor erklärt, wir haben alle möglichen Tier- und vor allem Pflanzenarten gesehen (auch wenn ich schon wieder nicht mehr weiß, was jetzt eine Kleinlibelle von einer Großlibelle unterscheidet, außer dass es größere Kleinlibellen als Großlibellen und kleinere Großlibellen als Kleinlibellen gibt – oder so). Außerdem war ich am Federsee, einem Naturschutzgebiet, wo wir uns dann durch Moor- und Schilfgürtel bis zum See durchgeschlagen haben (natürlich auf festgelegten Wegen und Stegen!). Dort in der Nähe gibt es den so genannten Wackelwald – und der wackelt wirklich, wenn man auf dem Boden rumhüpft (warum das so ist, erkläre ich hier lieber mal nicht – weil von Geologie und Biologie hab ich jetzt wirklich nicht so ganz viel Ahnung). Danke übrigens an Eva, Thomas und Andi für die spirituellen und sinnhaften :-) Impulse beim Wandern durch den Wackelwald.

Tja, zu erwähnen wären da auch noch die genialen Bands an den Abenden – im Rahmen des Kulturfestivals am Freitag vor allem die „Big Band – Rocker“ vom High Tension Orchestra (ein einfach ganz ganz grandioser Bläsersatz, und die anderen Musiker – Sänger, Gitarre, Bass usw. standen dem in Nichts nach) und am Samstag Xplosive. Ich glaube, das Publikum war der absolute Traum für die Bands (beim ersten Lied ist die Tanzfläche voll, beim zweiten wird aus vollem Hals mitgesungen und beim dritten steht alles auf den Bänken und Tischen – wann erlebt man denn so etwas schon mal).

Von daher – das Resümee: Ich fand das Bundestreffen einfach klasse – zugegeben, ein bisschen weniger Gegröle an der ein oder andere Stelle wäre für mich introvertierten Franken auch o.k. gewesen, aber die Landjugend ist halt „a weng“ rustikaler :-) . Beim nächsten Mal bin ich aber wenn irgend möglich wieder dabei.

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Dies ist die Homepage von Sebastian Zink. Sie finden hier mein Weblog sowie weitere Informationen zu meinen wissenschaftlichen, beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten.

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