Am Wochenende war ich auf dem Bundestreffen der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) in Heudorf in Oberschwaben. Über 1200 Landjünger haben sich dort getroffen, die Einwohnerzahl Heudorfs wohl mindestens verdreifacht, sich mit dem schwäbischen Dialekt herumgeschlagen („Hascht a wengle Zeit, dann könn mer im Feschdzeld schwätze.“) und gefeiert (schönen Gruß vor allem nach Regensburg und Münster – am Liedrepertoire muss allerdings noch gearbeitet werden; des war a wengle einseitig).
Am meisten aber hat mich beeindruckt, dass es möglich war, das ganze Bundestreffen durchgängig mit fairen und regionalen Produkten sowie ökologisch nachhaltig zu gestalten. Das fing an bei der Anreise, die von den Allerwenigsten mit dem Auto absolviert wurde, über das Essen (soweit möglich aus regionaler Produktion – das spart Energie beim Transport, unterstützt die lokale Landwirtschaft und z.B. die Pommes aus Kartoffeln vom Feld nebenan oder Apfelsaft/Apfelmost aus den Äpfeln vom letzten Jahr haben super geschmeckt – und wenn es regional nicht möglich war, dann fair gehandelte Waren) bis hin zum ökologisch wertvollen Klopapier. Hier hat sich gezeigt, dass eine bewusste Gestaltung des Einkaufs- und Verbrauchsverhaltens nicht nur an Wochendendworkshops oder im Privathaushalt, sondern bei entsprechendem Willen und ausreichender Vorplanung auch bei Großveranstaltungen möglich ist. Grundlage hierfür bildete als inhaltlicher Schwerpunkt des Bundestreffens, dem auch in einer ganzen Reihe der angebotenen Workshops und Exkursionen nachgegangen wurde, das Konzept der Ernährungssouveränität. Dieses Konzept wurde 1996 von der internationalen Kleinbauern- und Landarbeiterbewegung Via Campesina geprägt und versteht sich als Gegenentwurf zu einer zunehmenden Liberalisierung des Welthandels als alleinigen Weg zur Erreichung der Ziele des Welternährungsgipfels von 1996 (u.a. Halbierung der Zahl der Hungernden und Unterernährten bis 2015, gleicher Zugang zu Ressourcen usw.). Die Organisation setzt sich ein für die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Kleinbauern und Landarbeiter durch fairere Handelsbedingungen, größere soziale Gerechtigkeit und die Durchsetzung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise weltweit. Mittlerweile wird das Konzept von einer ganzen Reihe von Nichtregierungsorganisationen unterstützt. Mit der konkreten Erlebbarkeit der Umsetzung dieses Konzepts beim Bundestreffen hat die KLJB sicher einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung und zur Beschäftigung mit diesen Fragen geleistet, auch wenn über die Einpassung der Ernährungssouveränität in eine sich halt de facto immer weiter globalisierende Welt sicher noch intensiver nachgedacht werden muss (das zeigt sich auch darin, dass eine wissenschaftliche Klärung des Konzepts noch aussteht).
Soweit jetzt erstmal. Zu den Workshops und weiteren Eindrücken beim nächsten Mal (die Tage waren einfach so voll).
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