Prag – eine goldene und teure Stadt

Vier Tage Prag – das war der Sommerurlaub dieses Jahr. Und Prag lohnt sich tatsächlich. Eine wirklich tolle Stadt, die vor allem zum Spazieren gehen einlädt. An jeder Ecke neue schöne Ausblicke, Häuser und Plätze.

Weniger toll allerdings ist die Art und Weise, wie einem die herausragenden Prager Sehenswürdigkeiten präsentiert werden – nämlich nur gegen nicht wenig Bares. Das wäre noch nicht so schlimm, wenn man dann auch tatsächlich das zu sehen bekäme, was man erwartet. Aber sicherheitshalber weist man im Vorfeld nicht darauf hin, wenn größere Teile des Veitsdoms nicht begehbar sind oder die Hälfte der Ausstellungsräume gerade renoviert werden. Da hat man dann schnell das Gefühl, dass es tatsächlich nur darum geht, mit den Kulturgütern, die man hat, möglichst viel Geld zu machen. Und das irritiert insbesondere deshalb, weil man ansonsten ständig den Nationalstolz der Tschechen durchklingen hört. Anders aber als z.B. in Italien oder Deutschland, wo man des Öfteren merkt, dass die Menschen einfach stolz darauf sind, etwas herzeigen zu können, erscheint das in Prag alles als reine Geschäftemacherei. Schade!  Ich bin mir nicht sicher, ob sich so ein platt kapitalistisches Denken auch langfristig auszahlt. Im Gegensatz zu Rom, Assisi, Reims, Berlin usw., wo wir nach einem Besuch jeweils gesagt haben „Da müssen wir wieder hin!“ ist der Nachgeschmack von Prag eher „Sehr schön. Hat sich gelohnt. Müssen wir aber erstmal nicht mehr haben.“

Mehr über unseren Urlaub und Fotos finden sich bei Melli.

Unvollständige Erinnerungen

Jens unvollständige ErinnerungenAn diesem Wochenende habe ich die Biographie von Inge Jens, Frau des Schriftstellers und Hochschullehrers Walter JensUnvollständige Erinnerungen“ gelesen. Spannend und mit viel Esprit schreibt Jens – u.a. Herausgeberin der Tagebücher von Thomas Mann – aus ihrem Leben an der Seite eines zunehmend berühmten Mannes, deutlich verortet im linksintellektuellen Milieu der Bundesrepublik Deutschland. Der Titel ist dabei Programm: Es wurde offensichtlich nie angestrebt, ein ganzes Leben im Abriss darzustellen. Vielmehr hat die Autorin die Erinnerungen aus ihrem Leben aufgegriffen, die ihr am gegenwärtigsten erschienen. Spannend ist dabei immer wieder die Beobachtung des engen Beieinanderliegens von Erinnern und Vergessen, der nur noch partielle Zugriff auf das Leben, wie es einer über 80jährigen wohl nur noch möglich erscheint. Einzelne Begegnungen prägten sich offensichtlich intensivst ein, anderes verschwindet im Kommen und Gehen der Tage. Und so manches zeitlich weit entfernt Geschehene verbindet sich im Rückblick assoziativ zu einem in der jeweiligen Gegenwart wahrscheinlich so nie gedachten Ganzen. All die Schwierigkeiten selbst scheinbar geglückten Erinners werden hier deutlich: Meinungen und Einstellungen zu Ereignissen der eigenen Vergangenheit, die erst durch spätere Erfahrungen so geprägt wurden, wie sie einem nun im Rückblick präsent sind; das Vergessen und vielleicht auch bewusste und unbewusste Verdrängen weniger schöner Erfahrungen; und immer wieder die unglaubliche Selektivität eines solchen Rückblicks. All das zusammengestellt und präsentiert von einer Autorin, die dieses auch bei sich selbst beobachtet und reflektierend in Rechnung stellt.

Eines der interessantesten Kapitel des Buches handeln von Inge Jens Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus. Sie scheint offensichtlich – obwohl zu diesem Zeitpunkt in der Schule und BDM-Führerin – von den politischen Entwicklungen und ihrer Brisanz kaum etwas mitbekommen zu haben, ja selbst den Ausdruck „Jude“, so schreibt sie, „den ich doch mit Sicherheit gehört haben muss, bleibt in den Erinnerungen an meine Kinder und Jugendjahre ein bloßes Wort, eine Vokabel ohne Kontext“ (29). Das ruft natürlich die Zweifler hervor, die eigentlich nicht glauben können, dass das wirklich so gewesen sei (so etwa Klaus Harpprecht in einer Rezension des Buches in der ZEIT) und irritiert wohl tatsächlich. Zumindest ist der Gedanke nicht ganz von der Hand zu weisen, dass hier auch Prozesse der Verdrängung eine Rolle spielen. Wenn ich aber nun ehrlicherweise selbst auf die für mich kaum 15 Jahre zurückliegende Jugendzeit denke, dann wird mir zum einen deutlich, wie viel – gerade an Einstellungen und Meinungen – ich schon heute kaum mehr erinnern kann, und wie wenig mir andererseits insbesondere mein Blick auf den politisch-gesellschaftlichen Kontext meines Erwachsenwerdens noch aus eindeutig eigener Erinnerung präsent ist. Daher neige ich dazu, ihrer Darstellung durchaus zu glauben und zu lesen als typischen Modus, mit dem man im späteren Leben  auf seinen Jugendjahre (und vielleicht nicht nur auf diese) zurückblickt.

Mindestens ebenso interessant zu lesen sind die Erinnerungsbruchstücke aus ihrer Tübinger Zeit, dem Erleben der dortigen Studentenunruhen, der Friedensbewegung gegen den NATO-Doppelbeschluss in den 1980ern, in der sie und ihr Mann sehr aktiv waren usw. Nicht selten aber hätte ich mir gewünscht mehr und Genaueres zu hören, mit ihr intensiver auf die vielen Begegnungen mit bekannten Männern und Frauen (von Ernst Bloch bis Loriot) zurückblicken zu dürfen. Manches erlebt der Leser doch nur sehr flüchtig. Ausführlich und sehr anrührend gerade in der Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist demgegenüber die Beschreibung ihres Erlebens der zunehmenden Demenz von Walter Jens, des sich selbst Verlierens eines großen Denkers und für sie seit Jahrzehnten präsenten Diskussionspartner. Ein regelrechtes Gegenbild zur Arbeit an einer Autobiographie, wie dem vorliegenden Buch, in der ein Schreiber wohl auch immer im Rückblick auf sein Leben sich selbst sucht.

Das Resümee aber ist eindeutig: Ein lesenswertes, anregendes Buch über eine in ihrer Zeit wohl durchaus als ungewöhnlich zu bezeichnende Frau.

Wir haben geheiratet

LetDSC_0148zten Samstag war es soweit: Melli und ich haben geheiratet. In St. Otto in Nürnberg-Laufamholz ist es passiert und es waren ganz viele liebe Menschen da, um diesen wichtigen Schritt mit uns zu feiern. Und nachdem das Wetter auch noch toll mitspielte, konnte der Tag nur noch super werden.

Auf diesem Weg schon mal herzlichen Dank an alle fürs Dagewesen-Sein, für die Einlagen, für die vielen Glückwünsche und Geschenke. Das Auspacken (das sich über drei Tage hingezogen hat!) war noch mal ein Event für sich.

Update: Mehr Fotos von unserer Hochzeit finden sich hier.

Forum Sozialethik 2009

„Anthropologie und (christliche) Sozialethik – darum soll es auf dem diesjährigen Forum Sozialethik gehen. Ohne Frage ein ziemlich spannendes und aktuelles Thema.

Nähere Informationen und Anmeldemöglichkeiten finden sich hier.

Das Forum Sozialethik ist eine Initiative junger Sozialethikerinnen und Sozialethiker. Das Forum dient dem Austausch von Nachwuchswissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen (Promotion, Habilitation, Privatdozenten und -dozentinnen) sowie fortgeschrittenen Studierenden des Faches Sozialethik im deutschsprachigen Raum.

Patente auf Leben

„Patente auf Leben“ – damit beschäftigte sich der Landesausschuss der KLJB Bayern am letzten Wochenende. Die wohl zentrale Frage bei dieser Thematik lautet: Können Nutztiere und Pflanzen patentrechtlich geschützt werden? Patentiert werden ja in aller Regel (jenseits aller Komplexitäten des Patentrechts im Detail) nur Erfindungen. Was aber kann in diesem Bereich als Neuerfindung gelten? Nachdem rein patentrechtlich die seit Ende der 1990er bestehende Möglichkeit der Patentierung von gentechnisch veränderten Pflanzen und Tieren noch irgendwie nachvollziebar ist, bedarf es zu der nun von einigen Firmen angestrebten Patentierung von nicht gentechnisch veränderten Organismen doch einiger seltsamer Winkelzüge. Während es in den USA schon derartige Patente gibt, steht aktuell beim Europäischen Patentamt in einer Art Musterprozess der Broccoli vor der Patentierung. Die entsprechenden Konzerne stellen dabei durch die mit der Patentierung angestrebte Konzentration des gesamten Produktionsprozesses vor allem eine Verringerung des weltweiten Ernährungsproblems in Aussicht, jedoch stellen sich andererseits noch einige grundlegende Fragen: Ist es gut und sinnvoll, dass ein Großteil der weltweiten Nahrungsmittelproduktion in der Hand von wenigen Monopolisten liegt? Was bedeutet das für die Freizügigkeit der Bauern, die das patentierte Saatgut weder selbst vermarkten, noch zur erneuten Aussaat oder gar zur Weiterzüchtung verwenden dürften? Welche sozio-ökonomischen Folgen könnte dies potentiell v.a. in den Ländern der sog. Dritten Welt nach sich ziehen, in denen Bauern ihre Ernte überwiegend lokal vermarkten und zur Wiederaussaat verwenden? …

In einem Impulsreferat führt uns Frau Dr. Tippe, von der Initiative „Kein Patent auf Leben“ in die nicht immer einfache Thematik ein. Leider geriet der Vortrag etwas sehr parteiisch. Wahrscheinlich gibt es bei diesem Thema aber auch überhaupt keine Experten, die nicht auf die ein oder andere Weise Partei sind. In anschließenden Workshops konnten verschiedene Aspekte des Themas dann noch vertieft werden.

Ich hatte die Aufgabe, mit meinen Workshopteilnehmern christlich-ethische Perspektiven auf das Thema zu entwickeln. Nachdem wir gemeinsam grundlegende und für das Thema relevante Aspekte christlicher Ethik entwickelt hatten, versuchten wir die so gewonnenen Beurteilungskriterien an bestimmte Teilbereiche des Themas anzulegen (ob der Komplexität des Themas habe ich die Fragestellung auf folgende Gesichtspunkte fokussiert: 1. Patentierung auf nicht gentechnisch veränderte Lebewesen – geht das?, 2. Landwirte als Dienstleister der Industrie?, Patentierung tradierten Wissens indigener Gruppen durch internationale Konzerne?). Die Ergebnisse und auch die Diskussionen auf dem Weg dorthin fand ich richtig gut – wen es näher interessiert: Auf der Landesversammlung im Mai wird es wohl einen Antrag zu einer Positionierung der KLJB in diesem Bereich geben.

Spiele-TÜV in Nürnberg

Vom 5. bis 10. Februar war in Nürnberg mal wieder Spielwarenmesse. Das klingt nach viel Spaß, Action und Spiellust. Wenn man allerdings mit diesen Erwartungen nach Nürnberg kommt, dann wird man wohl enttäuscht: Man kann sich zwar ausführlich darüber informieren, was es denn so alles an Neuheiten gibt – selber spielen und ausprobieren geht aber in aller Regel nicht.

Zumindest für die Fans von Brett- und Kartenspielen gibt es dafür aber eine ganz hervorragende Alternative: Der Spiele-TÜV im Haus Eckstein, zwischen Hauptmarkt und Burg gelegen. Gut 500 alte und neue Spiele wurden von den Veranstaltern zusammengetragen. Und diese konnten gegen den doch ziemlich moderaten Eintrittspreis von 2 Euro nach Herzenslust und solange man wollte ausprobiert werden. Dieses Angebot findet nun mittlerweile fast traditionell parallel zur Spielwarenmesse statt und erfreut sich zunehmender Beliebtheit – einer der Gründe, warum die ganze Veranstaltung vor wenigen Jahren aus dem CPH (Caritas-Pirckheimer-Haus) ins Haus Eckstein wechseln musste.

Gestern haben nun auch Melli und ich diesen Event das erste Mal besucht. Allerdings hätten wir wohl kaum etwas von der ganzen Sache erfahren – als Neu-Nürnberger erschließen wir uns erst so langsam die notwendigen und sinnvollen Informationsquellen – wenn ich nicht eingeladen worden wäre, das „K gewinnt“ Spiel dort vorzustellen. Neben dem allgemeinen bunten Spieleausprobieren gibt es nämlich auch immer wieder thematische Workshops. Und in einem davon ging es um religiöse Spiele – da passte „K gewinnt“ natürlich ganz hervorragend hinein. Der Workshop selbst fand zwar in eher kleiner aber feiner Runde statt, da die religiösen Spiele aber in diesem Jahr auch im großen Spieleraum gesondert präsentiert wurden, fanden sich wohl über das ganze Wochenende hindurch immer wieder Interessierte. weiterlesen ‘Spiele-TÜV in Nürnberg’

„Da berühren sich Himmel und Erde“

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Falls noch jemand ein kleines Weihnachtsgeschenk für Freunde und Bekannte sucht:

Ich hätte einen (immerwährenden) Kalender

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Schöne Strände, mächtige Bäume, beeindruckende Brücken, farbenprächtige Regenbogen am blauen Himmel … all das sind Orte, an denen sich Himmel und Erde berühren.
Der KLJB-Landesvorstand und Mitarbeiter/-innen an der Landesstelle haben Fotos von diesen Orten und passende Texte zusammengetragen und sie zu einem immerwährenden Kalender zusammengestellt.

Zu bestellen unter www.landjugendshop.de.

Neuer KLJB-Werkbrief

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Motivation – bewegen und bewegen lassen

Taschenbuch, 112 Seiten

hg. von der Landesstelle für die kath. Landjugend Bayerns, München 2008.

ISBN-13: 978-3-936459-28-9

bestellbar unter: www.landjugendshop.de, werkmaterial(at)kljb-bayern.de

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Beim neuesten Werkbrief aus der KLJB Bayern – Schmiede geht es mal nicht um ein direkt religiöses Thema. Für die (Jugend-)pastoral ist es aber nichts desto trotz immer wieder extrem wichtig: Motivation.

Motivation kommt vom lateinischen „movere“ – sich bewegen. Und das ist durchaus passend: Wenn ich motiviert bin, bewege ich mich. Nicht umsonst heißt der Untertitel des Werkbriefs „Bewegen und bewegen lassen“. Allerdings meint „motivieren“ nicht einfach „irgendwie bewegen“, sondern ein „bewegen zu …“, „motiviert sein zu …“, „Lust haben auf …“. Motivation ist immer zielgerichtet, eine (gedankliche oder körperliche) Bewegung auf ein ganz bestimmtes Ziel hin. Rein psychologisch betrachtet ist es dabei im Gegensatz zum alltagssprachlichen Gebrauch sogar ziemlich egal, ob es sich um ein positives (z.B. „Ich möchte eine KLJB-Ortsgruppe gründen“) oder ein negatives Ziel („Ich möchte den Posten meines Chefs – egal wie!“) handelt. Motivation ist erst einmal neutral zu betrachten, auch – das machen die Beispiele in Klammern deutlich – weil die Ansicht darüber, ob ein Ziel nun positiv oder negativ zu bewerten ist, durchaus unterschiedlich sein kann. Eine derartige Bewertung eines Ziels ist im Übrigen auch schon ein Motivationsfaktor, also eine Komponente (unter anderen), der darüber entscheidet, ob wir oder andere motiviert sind.

Sich selbst und andere zu motivieren, das ist auch in der kath. Jugendpastoral immer wieder Thema – und oft alles andere als einfach. In diesem Werkbrief wollen wir deshalb zu einigen Feldern, in denen Motivationsarbeit eine große Rolle spielt, praxisorientierte Tipps geben. Ganz konkret werden wir die Themenbereiche behandeln:

  • Sich für eine Sache begeistern
  • Werbung als Motivationsarbeit
  • Für Verantwortung begeistern
  • Für thematische Inhalte begeistern

Wir erheben also nicht den Anspruch, das Thema Motivation auch nur annähernd in seiner Gänze zu behandeln. Auch haben wir nicht versucht, die Vielzahl an Motivationstheorien, die es insbesondere in der Psychologie gibt, zu diskutieren. Wir wollen stattdessen vor allem Methoden und Tipps an die Hand geben, wie man sich selbst und andere in der Jugendarbeit ganz konkret motivieren kann bzw. wie man herausfinden kann, was denn eigentlich für einen selbst bzw. für die jeweilge Zielgruppe überhaupt motivierend ist. Die Motivationstheorien, die hin und wieder in Textkästen zwischengeschaltet sind, stehen dementsprechend zwar in losem Zusammenhang zu ihrem jeweiligen inhaltlichen Umfeld, wollen darüber hinaus aber auch einen ersten Einblick in die weitverzweigten Vorstellungen über Motivation geben.

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Dies ist die Homepage von Sebastian Zink. Sie finden hier mein Weblog sowie weitere Informationen zu meinen wissenschaftlichen, beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten.

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